Gemeinde Gerlos ohne Zebrastreifen

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Aufruhr herrscht derzeit in der Tiroler Gemeinde Gerlos: In der Gemeinde gibt es seit etwas mehr als zwei Monaten keine Schutzwege über die vielbefahrene B165 mehr, da diese mangels Verkehrssicherheit geschliffen werden mussten. Die Aufregung ist groß, aber die Sache ist komplexer, als es im ersten Augenblick scheint.

In der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres 2019 entschied der Gemeinderat einstimmig, der Aufforderung der Bezirkshauptmannschaft Schwaz Folge zu leisten und der Entfernung der Zebrastreifen zuzustimmen. Hintergrund ist, dass die Gemeinde von der Behörde darauf aufmerksam gemacht wurde, dass alle fünf Schutzwege in der Gemeinde mangelhaft seien.

Fehlender Platz
Der große Mangel bei den Schutzwegen sind die fehlenden fünf Meter an der Seite der Zebrastreifen, die von Fußgängern benötigt werden, um von herannahenden Fahrzeugen gut gesehen zu werden. Dieser Abstand, der auch in der Straßenverkehrsordnung festgeschrieben ist, kann aber nicht eingehalten werden, denn gleich neben dem Schutzweg befinden sich Parkflächen. Und hier beginnt das Problem: Die Parkflächen gehören nicht der Gemeinde. Bürgermeister Andreas Haas steht damit vor einem gordischen Knoten: „Freiwillig verkaufen wird uns diese benötigten Flächen niemand, uns bliebe nur der Weg der Enteignung. Wenn jetzt aber das Hotel oder das Verkaufslokal keine Parkfläche vor der Türe mehr hätte, würde ein Teil der Benutzungsbewilligung wegfallen, denn laut Tiroler Bauordnung müssen hier Parkplätze vorhanden sein. Damit wäre ein Teil der Genehmigung nicht mehr vorhanden und wir als Gemeinde müssten hergehen und den Betrieben wegen fehlender Parkplätze die Benutzungsbewilligung entziehen.“ Ein Vorgehen, das in Gerlos natürlich niemand will.

Der Vorwurf, dass die Gemeinde Gerlos die Zebrastreifen aus finanziellen Gründen nicht ordentlich kennzeichnen wollte und sie deshalb lieber ganz entfernen ließ, sei vollkommen absurd, so Bürgermeister Haas.

Derzeit ist es in dem über Jahrhunderte gewachsenen Straßendorf Gerlos üblich – und das war laut Bürgermeister auch schon so, als es die Schutzwege noch gab – dass jeder die Straße überquert wo es ihm beliebt und wenn gerade kein Fahrzeug kommt. Zumal sich zwischen den Zebrastreifen in den Randbereichen des Ortszentrums, genauer gesagt zwischen den Weilern Ried und Oberhof, auf einer Länge von ca. 1,2 km lediglich ein Zebrastreifen befunden hat. Speziell dieser Schutzweg, der sich im Nahbereich der Schule befand, war immer schon gefährlich und wiegte die Fußgänger in trügerischer Sicherheit. „Noch ist bei uns gottseidank nichts passiert, aber wir wollen nichts herausfordern. Wenn wirklich ein Verkehrsunfall mit Personenschaden auf einem Schutzweg passiert wäre und die Versicherung hätte Nachschau gehalten, wären hohe Regressforderungen auf uns zugekommen“, sagt Bürgermeister Haas.

Alternativen
Die Lösung des Problems ist nicht so einfach. Eine Möglichkeit wären weitere Fußgängerquerungen, bzw. Querungshilfen, mit einer Verkehrsinsel in der Mitte der Richtungsfahrbahnen, von denen es schon zwei in der Gemeinde gibt. „Es gäbe auch die Möglichkeit einer Fußgängerampel auf der Landesstraße oder eine Geschwindigkeitsbeschränkung im Ortsgebiet zu erlassen“, meint Bürgermeister Andreas Haas. „Bei diesen Baumaßnahmen ist aber auch das Land Tirol gefordert, da es nicht im Einflussbereich der Gemeinde liegt, auf einer Landesstraße derartige Maßnahmen vorzunehmen.“

Fotos © Gemeinde Gerlos