Begrünte Fassaden gegen Hitze in der Stadt

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Stadträtin Ulli Sima und Stadträtin Kathrin Gaal sagen Hitzeinseln in Wien den Kampf an. (© David Bohmann / PID )

In der Stadt Wien werden in den nächsten zwei Jahren 150 begrünte Fassaden entstehen, die für natürliche Kühlung sorgen. Mit dem eigens für die Stadt Wien entwickelte Grünfassaden-Modul BeRTA („Begrünung – Rankhilfe – Trog – All-in-One“) können auch Private relativ einfach und ohne viel Pflegeaufwand ihre Fassade begrünen und sogenannten „urbanen Hitzeinseln“ entgegenwirken.

Kathrin Gaal, Wohnbaustadträtin in Wien meint, dass die Erderwärmung und der Klimawandel die Städte vor Herausforderungen stellt, auf die im Wohnbau reagiert werden müsse. „Begrünte Fassaden sind ein Schritt in die richtige Richtung, weil sie die Luft verbessern und dafür sorgen, dass die Wohnungstemperaturen in den heißen Sommermonaten weniger stark steigen. Und schön sind sie obendrein“, so die Stadträtin.
Der neue Prototyp kann ab sofort in der Buchengasse 77 im 10. Bezirk betrachtet werden, die ersten 50 Fassadenbegrünungen werden von der Stadt finanziert.

Grüne Fassaden senken gefühlte Temperatur um bis zu 13°C
Die Stadt Wien selbst geht mit gutem Beispiel voran – so wurden etwa die Zentralen der MA 48 und der MA 31 mit begrünten Fassaden ausgestattet. Das neue Grünfassaden-Modul verhilft vor allem in dichtverbauten Gebieten zu einer naturnahen und kühleren Umgebung mit mehr Grünraum und leistet damit einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen urbane Hitzeinseln: Die Pflanzen senken die gefühlte Temperatur in der Straße um bis zu 13°C.

Bunt und individuell: Das BeRTA-Grünfassaden-Modul
Das BeRTA-Basismodul besteht aus einem Pflanzgefäß, Substrat, einer Rankhilfe und zwei Kletterpflanzen. Der Trog bietet mit 40 cm Tiefe und 80 cm Höhe 300 Liter Fassungsvermögen und ist mit Wasserspeicher so konzipiert, dass er möglichst wenig Betreuung benötigt. Je nach Gegebenheiten ist der Einsatz verschiedener Kletterpflanzen möglich, außerdem stehen 15 verschiedene Farben für den Trog zur Auswahl.

Maßnahmen für Bezirke
„Die durch den Klimawandel verursachten Hitzeinseln sind eine Belastung für viele Menschen, vor allem im stark verbauten Gebiet und so setzen wir eine Vielzahl von cooling-off-Maßnahmen in allen Bezirken. Es gibt ein Sonderbudget von 2,3 Mio. Euro für heuer und das Jahr 2020, mit dem wir die Bezirke bei der Errichtung von Nebelduschen, Wasserspielen oder der Pflanzung von Bäumen unterstützen“, erklärt die Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima. Zur Kühlung in der Stadt tragen besonders die Grünräume und die begrünten Fassaden bei, die als natürliche Klimaanlage wirken. „Wir verdreifachen daher die Anzahl der begrünten Fassaden auf 150 in den nächsten beiden Jahren“, so Sima.
So setzt die Stadt Wien auch auf das Projekt „Schwammstadt“, das den Bäumen unter Straßen, Parkplätzen und Gehwegen mehr Platz gibt. Dabei wird der Wurzelraum unter den Fahrbahnen – also auch unter Straßen, Parkplätzen und Gehwegen – erweitert, was Wasser speichert und somit länger für die Bäume zur Verfügung steht. Gleichzeitig werden Überflutungen bei Starkregenereignissen abgeschwächt oder verhindert.
Dazu wird unterhalb der befestigten Oberflächen im Straßenraum eine Schicht aus grobkörnigem Schotter sowie feineren, wasserspeichernden Materialien angelegt. Die Bäume stehen wie üblich in ihren Baumscheiben, haben aber direkten Kontakt zu den Schotter-Schichten und können diese durchwurzeln. Auch das Regenwasser kann direkt in die Baumscheibe oder über Einlaufschächte und Drainageeinrichtungen in die Schotterschicht ablaufen. Das Wasser steht dem Baum somit in ausreichender Menge und über einen entsprechend längeren Zeitraum zur Verfügung. In der Seestadt Aspern wird das Projekt „Schwammstadt“ bereits in ganzen Straßenzügen umgesetzt.

Nähere Informationen:
www.50gh.at/berta
www.wien.gv.at/umwelt/cooleswien/

Foto: © David Bohmann / PID
BU: Stadträtin Ulli Sima und Stadträtin Kathrin Gaal sagen Hitzeinseln in Wien den Kampf an: Das Wiener Grünfassaden-Modul BeRTA ist seit Anfang Juni im Praxistest.