Bgm. Ferdinand Vouk, Velden: „Sauberkeit ist unser Qualitätsmerkmal“

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In der Tourismusgemeinde Velden am Wörthersee hat der Wirtschaftshof eine wichtige Rolle: Er sorgt dafür, dass alles läuft – ob bei Veranstaltungen in der Gemeinde, während der Sommermonate oder im Winterdienst. EuroKommunal hat dem Wirtschaftshof einen Besuch abgestattet und sich mit Bürgermeister Ferdinand Vouk, Gemeindevorstand Wirtschaftshofreferent Markus Kuntaritsch, Ing. Günter Ogris, Leiter des technischen Dienstes in der Gemeinde, und mit Wirtschaftshofleiter Martin Moser unterhalten.

Im Winterdienst kommt in Velden am Wörthersee in erster Linie Splitt zum Einsatz – mit Ausnahme der Bundesstraße, die durch den Ort führt und vom Bundesland Kärnten winterlich betreut wird, „Der Umweltgedanke steht bei uns im Vordergrund, da das Gebiet rund um den Wörthersee ökologisch sensibel ist“, erklärt Ferdinand Vouk, Bürgermeister der Marktgemeinde Velden. „Lediglich auf exponierten Stellen, etwa im Bereich des öffentlichen Linienverkehrs oder auf den Gehwegen streuen wir auch Salz“, ergänzt Wirtschaftshofleiter Martin Moser, Chef von 22 Ganzjahres- und sechs Saisonkräften, die im Bauhof beschäftigt sind.

In der Wintersaison 2017/18 hat die Gemeinde rund 1.000 Tonnen Splitt und nur 60 Tonnen Salz ausgebracht. „All unsere Streuautomaten sind Doppelkammerstreuer, die sowohl Splitt als auch Salz streuen können. „Die vorwiegende Splittstreuung ist unsere Philosophie“, ergänzt Gemeindevorstand Markus Kuntaritsch, im Gemeinderat für den Wirtschaftshof zuständig. „Allen werden wir es nie recht machen können – aber unser Ziel ist es, die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten und die Umwelt zu schützen“, so Kunaritsch. Zu betreuen sind rund 300 Straßenkilometer, davon 130 Kilometer befestigte Straße und etwa 170 km Güter- und Schotterwege. Dazu noch Gemeindeeinrichtungen wie Gemeindeamt, Friedhof, Schule, Kindergarten, Eishalle, Feuerwehr und dergleichen. Außerdem ist die Gemeinde auch für die winterliche Betreuung der Seepromenade zuständig. Dafür braucht es Fahrzeuge, der Schnee wird aber auch händisch geschaufelt.

Optimale Fuhrparkauslastung
Unterstützt wird der Wirtschaftshof im Winter von sieben privaten Dienstleistern, die im Einsatzfall zu den 14 eigenen Geräten plus die drei Kleingeräte zur Gehsteigräumung eingesetzt werden. Die Fahrzeugflotte des Wirtschaftshofs ist täglich im Einsatz, erzählt Ing. Günter Ogris, Leiter des Technischen Dienstes in der Gemeinde und damit auch für den Wirtschaftshof zuständig: Wir setzen alle Geräte ganzjährig ein, im Sommer für die Grünflächenpflege und das Kehren und im Winter für den Winterdienst, sodass wir auf dem Grundgerät möglichst viele Einsatzstunden schaffen. Wir streben eine möglichst wirtschaftliche Nutzung an“, so Ogris.

Die Einsatzplanung und die Einteilung der Bereitschaftsdienste macht Martin Moser, Leiter des Wirtschaftshofs. Er gibt den Einsatzbefehl und schreibt auch die Art der Räumung vor, sowohl für den Wirtschaftshof als auch für die Privaten. „Wenn fünf bis zehn Zentimeter Schnee liegen, starten wir mit der Räumung“, erklärt Moser. „Liegt kein Schnee, so starten wir eine normale Streu-Tour um drei Uhr früh, damit der Frühverkehr abgesichert ist. Uns ist es am liebsten, wenn wir in der Nacht fahren können, weil kaum Verkehr ist. Hier startet der Bereitschaftsdienst gegen Mitternacht. In der Früh ist dann, je nach Schneefall, die ganze Gemeinde geräumt. Untertags ist die Räumung immer ein bisschen schwieriger, weil dann auch die Parkplätze besetzt sind.“

Die Gemeinde übernimmt auch die winterliche Gehsteigbetreuung, sagt Bürgermeister Vouk: „Gesetzlich verpflichtet sind wir nur zur Räumung der Gehsteige außerhalb des Ortsgebiets, wir machen es auch im Ort, das ist ein Service der Gemeinde Velden für seine Bürgerinnen und Bürger.“ Wirtschftshofleiter Moser ergänzt: „Wir sind für mehr als 20 Kilometer Gehsteig zuständig und es wird immer mehr, denn im Zuge von Straßensanierungen werden weitere Gehsteige dazu errichtet.“

Die Vorbereitungen für den Winter laufen derzeit auf Hochtouren, immerhin sind rund 4.000 Schneestangen im gesamten Gemeindegebiet zu stecken – spätestens zu Allerheiligen will man damit fertig sein.

Umfangreicher Sommerdienst
Beschäftigt sind im Wirtschaftshof 22 Ganzjahres- und sechs Saisonkräfte, die nicht nur für die Straßen- und Grünpflege verantwortlich sind, sondern auch für die Eishalle, das Gemeindebad, Kindergarten und Schule. Die zusätzlichen Saisonmitarbeiter verstärken die Mannschaft allerdings nicht im Winter, sondern während der Sommermonate. „Die Saisonkräfte sind von 1. April bis 30. Oktober in der Gärtnerei und für allgemeine Tätigkeiten im Wirtschaftshof, vor allem in der Straßenreinigung, eingesetzt. Zusätzlich werden während des Sommers zur Grünflächenpflege noch externe Dienstleister beschäftigt“, erklärt Ing. Günther Ogris, in der Gemeinde für den technischen Dienst und den Wirtschaftshof zuständig. „Wir sind eine Tourismusgemeinde und haben vor allem im Sommer einen verstärkten Bedarf“, ergänzt Wirtschaftshofreferent Markus Kuntaritsch.

Interkommunale Zusammenarbeit mit Rosegg
Bei der Fülle an Aufgaben ist der Wirtschaftshof mittlerweile zu klein geworden. „Für die nächsten Jahre ist geplant, den Wirtschaftshof in Richtung Velden West abzusiedeln“ erzählt Bürgermeister Vouk. „Ein Grundstück hat die Gemeinde bereits angekauft und das Areal, auf dem jetzt der Wirtschaftshof untergebracht ist, bekommt der nebenan liegende Sportplatz. Die Vorteile der Übersiedlung liegen auf der Hand: Der Wirtschaftshof liegt gleich bei der Autobahn und die Zufahrt erfolgt nicht mehr durchs Wohngebiet, was auch für die Anrainer eine Erleichterung ist, da der Dienstbeginn am Wirtschaftshof schon sehr zeitig in der Früh ist. Durch die Verlegung des Wirtschaftshofs wird auch eine interkommunale Zusammenarbeit möglich. Die Bewirtschaftung des neuen Abfallsammelzentrums erfolgt dann gemeinsam mit der Marktgemeinde Rosegg. Zusätzlich erhalten Velden, Rosegg und Wernberg eine gemeinsame, zentrale Kompostieranlage“, so der Bürgermeister. Fertig werden sollte der neue Wirtschaftshof in rund drei bis fünf Jahren.

Begegnungszone ist ein großer Erfolg
Die Begegnungszone durchs Ortsgebiet hat der Gemeinde viel mediale Aufmerksamkeit gebracht. Eröffnet wurde sie im Jahr 2014, die Skepsis war anfangs sehr groß, erzählt Bürgermeister Ferdinand Vouk: „Es war ein großer Erfolg für unsere Gemeinde, dass wir es geschafft haben, auf der Bundesstraße das ‚Shared Space‘-Konzept mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30km/h durchzusetzen. Immerhin fahren zwischen 750 und 800 Fahrzeuge in der Stunde durch Velden, darunter auch LKW.“ Weniger geworden ist der Verkehr durch die Gemeinde zwar nicht, „aber er wurde entschleunigt“, so Vouk. Inzwischen ist die Begegnungszone sowohl bei den Bürgerinnen und Bürgern als auch bei der Wirtschaft voll akzeptiert. „Die Wirtschaftstreibenden wünschen sich sogar noch eine Ausdehnung“, so Vouk. Inzwischen ist sogar eine Art „Shared-Space“-Tourismus entstanden, viele Universitäten kommen auf Exkursion nach Velden.
Bis zur Eröffnung der Begegnungszone, die in Zusammenarbeit mit dem Plaungsbüro AAPS entstanden ist, war es ein langer Weg. Die Gemeinde hat sich Begegnungszonen in anderen Städten wie Graz und Grado in Italien angesehen und als die Planungen konkreter wurden, lud die Gemeinde zu Bürgerversammlungen ein. „Die Begegnungszone funktioniert nur deshalb so gut, weil wir sie gemeinsam mit den Bürgern, der Wirtschaft und dem Land Kärnten umgesetzt haben“, sagt Bürgermeister Vouk, „so etwas geht nur gemeinsam.“

Vielzahl von Veranstaltungen
Touristen kommen das ganze Jahr über in die Marktgemeinde Velden. „Die Gemeinde unterstützt auch die Veldener Tourismusgesellschaft bei einer Vielzahl von Veranstaltungen mit einer Bühne, Absperrungen, Beschilderungen und dergleichen“, erzählt der Bürgermeister. Aufgestellt wird all das von den Mitarbeitern des Wirtschaftshofs. Sogar ein eigener Elektriker ist im Wirtschaftshof beschäftigt, er kümmert sich auch um kleinere Reparaturen in der Schule und im Kindergarten. Im Dezember findet auch wieder ein beliebter Adventmarkt in der Gemeinde statt – natürlich auch unter tatkräftiger Mithilfe der Bauhofmannschaft, die auch die Verkaufsstände aufbaut und verkabelt. „Das ist eine besondere Herausforderung für den Wirtschaftshof. Der Adventmarkt zieht sich durch den gesamten Ort und da sind oftmals 50-60 Autobusse voller Besucher zu bewältigen. Wir haben klein begonnen, mittlerweile sind wir mit dem Adventmarkt schon im 18. Jahr und er hat sich zu einer touristischen Attraktion entwickelt. Während des Adventmarkts ist die Ortsdurchfahrt normal möglich, wobei es ist auch schon passiert, dass wir den Ort gesperrt haben. An Spitzentagen haben wir 16.000 Leute im Ort, vor allem am Wochenende rund um den 8. Dezember ist Velden ausgebucht.“ Am nächsten Tag ist es in der Gemeinde wieder blitzsauber. verantwortlich dafür sind die Mitarbeiter des Wirtschaftshofs: „Sauberkeit ist das besondere Qualitätsmerkmal unserer Gemeinde, damit punkten wir auch“, so Bürgermeister Ferdinand Vouk.