Blinken ist Kommunikation

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Von links: Mag. Christian Strasser (Geschäftsführer WKOÖ Sparte Transport Verkehr und Verkehrspolitik), Mag. Wolfgang Schneckenreither (WKOÖ Spartenobmann Transport und Verkehr), Mag. Günther Steinkellner (Landesrat für Infrastruktur), Dr. Othmar Thann (Direktor des KFV), Dr. Peter Aumayr (Leiter der Abteilung Verkehr) © Land OÖ/Kauder

Je mehr VerkehrsteilnehmerInnen verlässlich und richtig blinken, desto mehr Unfälle können verhindert werden. Aus diesem Grund läuft im Bundesland Oberösterreich eine Kampagne, die an korrektes Blinken erinnert. Zielgruppe sind alle motorisierten VerkehrsteilnehmerInnen, aber auch RadfahrerInnen.

Das Verkehrsressort des Landes Oberösterreich, das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) und die Wirtschaftskammer Oberösterreich, Sparte Transport und Verkehr haben eine gemeinsame Kampagne mit dem Titel „Aktion: Blink mal wieder – für mehr Verkehrssicherheit in OÖ“ ins Leben gerufen. „Wir wollen alle verstehen und selbst verstanden werden. Vor allem in einem so komplexen sozialen System wie dem Straßenverkehr. Der Blinker erfüllt eine wichtige Funktion im Straßenverkehr. Über ihn treten wir in Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern und genau deshalb ist richtiges Blinken von so enormer Wichtigkeit“, unterstreicht Landesrat für Infrastruktur Günther Steinkellner.

„Grundsätzlich gilt: Vor jedem Spurwechsel und jeder Änderung der Fahrtrichtung muss geblinkt werden“, erklärt Othmar Thann, Direktor des KFV. „Wird nicht geblinkt, können andere Verkehrsteilnehmer die Absichten des betreffenden Fahrzeugs nicht erkennen und benötigen mehr Zeit, um ihr Fahrverhalten entsprechend anzupassen. Dadurch wird das Gefahren- und Konfliktpotenzial erhöht. Das Anzeigen des geplanten Abbiegevorgangs erhöht die Verkehrssicherheit und sorgt zugleich für einen optimalen Verkehrsfluss“, betont Thann.

Kampagne des Landes Oberösterreich
Wichtig ist, dass die Botschaften die VerkehrsteilnehmerInnen erreicht. Deshalb steht der Einsatzort Straße im Fokus der Kampagne. Auf rund 150 Bussen der Oberösterreichischen Verkehrsverbund Gesellschaft werden Heckwerbeflächen beklebt, um das Blinken in Erinnerung zu rufen. Weiteres werden von Seiten der WKO rund 250 LKW´s ebenfalls mit entsprechenden Sujet-Folien ausgestattet und beklebt. Das klare Ziel ist es, eine Renaissance für das vorschriftsmäßige Blinkverhalten zu initiieren. Die VerkehrsteilnehmerInnen sollten nicht über das Blinken nachdenken, sondern es als positive und nützliche Handlung werten und deshalb automatisiert den Blinkvorgang ausführen.

Ein Drittel blinkt im Kreisverkehr gar nicht
Im Rahmen einer österreichweiten Erhebung hat der ÖAMTC im vergangenen Jahr das Verhalten von knapp 60.000 Pkw-Lenkern in verschiedenen Abbiegesituationen beobachtet und analysiert. Die Ergebnisse dieser großen, bundesweiten Erhebung setzen sich aus einer Vielzahl von Abbiegeszenarien zusammen, die beobachtet und analysiert wurden. Neben dem Blinken im Kreisverkehr oder an abbiegenden Vorrangstraßen wurden Abbiegesituationen an ungeregelten Kreuzungen ohne Ampeln und an geregelten Ampelkreuzungen untersucht.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Lediglich 66 Prozent der Verkehrsteilnehmer blinkten richtig. Besonders problematisch zeigte sich die Blinkmoral bei abbiegenden Vorrangstraßen und in Kreisverkehren. Nur rund 55 Prozent aller Lenker blinken bei abbiegenden Vorrangstraßen korrekt, in Kreisverkehren waren es 60 Prozent.

Im Kreisverkehr wurde von einem Drittel der Lenker überhaupt nicht geblinkt. Einige Verkehrsteilnehmer blinkten falsch, etwa beim Einfahren in den Kreisverkehr. Dabei gilt in Österreich: Beim Einfahren wird gar nicht geblinkt, sondern nur beim Verlassen des Kreisverkehrs. Das ist vor allem wichtig für einfahrende Fahrzeuge.

Auch abknickende Vorrangstraßen sorgen oftmals für Verwirrung: Auch wenn man dem Verlauf einer abknickenden Vorrangstraße folgt, muss man den Blinker setzen, um anderen Verkehrsteilnehmern zu signalisieren, welche Richtung man einschlägt.

Wann blinken?
Beim Einordnen und Abbiegen auf Fahrtstreifen mit Bodenmarkierung muss selbstverständlich auch geblinkt werden. Darüber hinaus muss beim Blinken auf das Timing geachtet werden: Damit sich andere Straßenbenützer auf das entsprechende Fahrmanöver einstellen können, muss der betreffende Lenker den Abbiegevorgang rechtzeitig anzeigen. Im Ortsgebiet sollte daher 3 bis 5 Sekunden, auf Freilandstraßen 5 bis 8 Sekunden und auf Autobahnen 5 bis 10 Sekunden vor dem Abbiegevorgang geblinkt werden.

Ablenkung großes Problem
Ablenkung am Steuer wirkt auch in puncto Blinken ungeheuer. Der KFV beobachtete Pkw-LenkerInnen, die gerade durch Essen, Trinken oder Hantieren am Handy abgelenkt waren und nicht blinkten. Der auffällige Unterschied ergibt sich durch die eingeschränkte Motorik. Wer keine freie Hand hat, vernachlässigt das Blinken.

Blinken für mehr Sicherheit auf der Straße
„Auch kleine Verkehrsregeln haben eine große Wirkung. Jeder einzelne Verkehrsteilnehmer der die Vorschriften befolgt, kann einen umfassenden Beitrag für mehr Sicherheit im Straßenverkehr leisten“, sagt Landesrat Günther Steinkellner. „Um das regelmäßige Blinkverhalten am Ort des Geschehens in Erinnerung zu rufen, soll mit realistischen und einprägsamen Sujets aktiv zum Blinken aufgerufen werden. Der Sinn und Zweck der Bewusstseinsaktion besteht nicht darin, Autofahrerinnen und Autofahrern die Laune verderben zu wollen, sondern sie auf möglichst einprägsame Art zu erinnern, vorschriftsmäßig zu blinken“, so der Landesrat.

Regeln rund ums Blinken
Generell gilt: Der Lenker eines Fahrzeugs darf nur dann die Fahrtrichtung oder den Fahrstreifen wechseln, wenn er sich vorab davon überzeugt hat, dass dies ohne Gefährdung anderer möglich ist. Blinken ist dabei eine simple und doch essenzielle Information.

Blinken braucht gutes Timing: Der Lenker hat sein geplantes Verhalten rechtzeitig anzuzeigen, damit sich andere Straßenbenützer darauf einstellen können. Das heißt: im Ortsgebiet 3 bis 5 Sekunden, auf Freilandstraßen 5 bis 8 Sekunden, auf der Autobahn 5 bis 10 Sekunden davor.

Thema Überholmanöver: Beim Überholen wird geblinkt, aber nur vor dem Fahrstreifenwechsel – während des weiteren Überholvorgangs nicht.

Abfahren von der Vorrangstraße: Auf einer Vorrangstraße mit bogenförmigem Verlauf wird geblinkt, weil man die Fahrtrichtung ändert und dies auch anderen kundtun muss. Fährt man aber geradeaus von der bogenförmigen Vorrangstraße auf eine benachrangte Straße ab, wird nicht geblinkt, denn die Fahrtrichtung bleibt ja dieselbe.

Bodenmarkierung mit Richtungspfeilen: Auch beim Einordnen und Abbiegen auf Fahrstreifen mit Bodenmarkierung muss selbstverständlich geblinkt werden.

Runde Sache: Bei der Einfahrt in den Kreisverkehr wird nicht geblinkt. Vor Verlassen des Kreisverkehrs muss aber immer geblinkt werden.
Immer blinken: Auch wer glaubt, alleine unterwegs zu sein, sollte blinken. Denn erstens kann man andere übersehen und zweitens trainiert man so die Gewohnheit.

Rechtzeitig blinken: Dadurch können sich andere Verkehrsteilnehmer darauf einstellen und entsprechend handeln, z.B. beim Einreihen vor einer roten Ampel.

Keine Ablenkung: Finger weg von Handy, Navi und Co. – wer keine freie Hand hat, vernachlässigt oft das Blinken.