Dächer in Linz werden begrünt

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© Stadt Linz In der Stadt Linz wird es bald mehr begrünte Flachdächer geben.

Die Stadt Linz hat 2019 im Gemeinderat ein Klimaprogramm beschlossen. Einer der Ziele des Programms besteht darin, Hitzeinseln im Stadtgebiet durch vermehrte Begrünung zu reduzieren. Daher sollen jetzt in erster Linie Flachdächer begrünt werden, aber auch Lärmschutzwälle und Stützmauern.

„Die wirksamsten und vernünftigsten Instrumente Mittel zur Reduzierung und Vermeidung von Hitze-Inseln im Stadtgebiet sind Dachbegrünungen, Begrünungen der Fassaden und Baumpflanzungen. Das Zauberwort, mit dem das künftig in Linz möglich sein wird, heißt Ediktalverfahren Nr. 2“, informiert der Linzer Infrastrukturreferent Vizebürgermeister Markus Hein. „Nach der öffentlichen Planungsauflage im Dezember und Jänner soll nun die Verordnung dazu in der kommenden Gemeinderatssitzung beschlossen werden“.

„Mit diesem vereinfachten Verfahren können Begrünungsmaßnahmen künftig den Bauwerbern vorgeschrieben werden, es ist auch möglich, die bestehenden Bebauungspläne nachzuschärfen und so Begrünungsmaßnahmen verbindlich einzufordern. Damit setzen wir ein klares Zeichen für Entbürokratisierung und Umweltschutz“, betont Bürgermeister Klaus Luger.

In der Ediktalverordnung Nr. 2, die schon Ende April 2021 in Kraft treten kann, sind vor allem jene Maßnahmen im Bereich Begrünung geregelt, die dem Ansteigen der Durchschnittstemperaturen insbesondere in der Linzer Innenstadt entgegenwirken. Vorgesehen ist die verbindliche Begrünung von Dachflächen von Hauptgebäuden und ober- wie unterirdischen Garagen sowie verbindliche Baumpflanzungen.

„Man muss das so verstehen wie einen rechtlichen Rahmen, der allen künftigen Bebauungsplänen und -maßnahmen übergestülpt wird, wobei auch die bisherigen Bebauungspläne dahingehend überarbeitet werden können“, erklärt Infrastrukturreferent Markus Hein das „Ediktalverfahren Nummer 2“ in einfachen Worten.

„Linz ist die erste Stadt Österreichs, die ein solches Instrumentarium für den Klimaschutz beim Bau derart umfassend und kompromisslos festlegt. Ein weiteres Beispiel für die Innovationbereitschaft und Aufgeschlossenheit gegenüber Neuerungen, die typisch für unsere Lebensstadt ist. Auch beim Klimaschutz kann man sagen: in Linz beginnt‘s!“, ergänzt Bürgermeister Klaus Luger.

Begrünung von Flachdächern
Von der Möglichkeit, Dachbegrünungen vorzuschreiben, wurde bisher zum Beispiel bei Betriebsbaugebieten Gebrauch gemacht, bei anderen Widmungskategorien, wie bei Wohngebieten, weniger. Jetzt muss jedes Flachdach über 100 Quadratmeter begrünt werden.

Begrünte Dächer haben einen essentiellen Einfluss auf Temperatur, Luftqualität und Klima und schaffen wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Sie speichern das Regenwasser, die Pflanzen kühlen die Umgebung.

Pflanzung großkroniger Laubbäume
Auf Bauplätzen ist pro 750 m² vollendeter Bauplatzfläche zumindest ein Laubbaum zu pflanzen bzw. zu erhalten. Laubbäume sind deshalb erforderlich, weil sie im Vergleich zu Nadelbäumen wirkungsvoller Lärm und Schadstoffe absorbieren, mehr Sauerstoff liefern und effektiver kühlen.

Für den ruhenden Verkehr ist vorgesehen, dass nach jedem fünften Kfz-Abstellplatz ebenfalls Laubbäume mit einer Mindestgröße von 8 m gepflanzt werden müssen. Zudem muss den Bäumen genügend Grünraum geboten werden.

Begrünung für Lärmschutz und Stützmauern
Auch Lärmschutzwälle (Dämme) und –wände sind zu bepflanzen. So sollen bei Bäumen und Sträucher, bei Lärmschutzwänden rankende Kletterpflanzen oder hängende Bepflanzung verbindlich vorgesehen werden. Ebenso sind Stützmauern mit Kletterpflanzen bzw. hängender Bepflanzung zu begrünen.

1.000 Bebauungspläne werden „nachgerüstet“
Als letzten großen Vorteil der neuen Regelungen führen Bürgermeister Klaus Luger und Vizebürgermeister Markus Hein die Möglichkeit zur nachhaltigen Optimierung aller künftigen Planungen vor Augen.
„Das Ediktalverfahren Nr. 2 garantiert uns auch die Rechtsgrundlagen, um etwa 1.000 Linzer Bebauungspläne gleichsam nachzurüsten, so dass für alle die gleichen Regeln gelten. Denn würden wir diese Maßnahmen nur bei neuen oder bei zu überarbeitenden Bebauungsplänen einarbeiten, würde es Jahrzehnte dauern, bis diese Maßnahmen flächendeckend verbindlich werden“, so Luger und Hein.