Die schnelle Truppe in der Gemeinde

104
Bürgermeister Jürgen Maschl (Mitte) mit Wolfgang Janosi (re) und Gani Rexhaj

In der 2219 Einwohner zählenden Marktgemeinde Schwadorf in Niederösterreich sind die sieben Männer im Bauhof für den Winterdienst zuständig. Doch die Bauhofmannschaft erledigt noch viele andere Aufgaben in der Gemeinde.

Im Winter beginnen viele Tage für Bauhofleiter Wolfgang Janosi um vier Uhr in der Früh. Um diese Zeit steht er schon vor dem Haus in der Kälte und inspiziert die Straße. Hat sich Glätte gebildet, so greift er sofort zum Telefon, um seine Kollegen, die ebenfalls im Bereitschaftsdienst sind, anzurufen. „Um fünf Uhr starten dann schon die Maschinen im Bauhof und wir fahren aus“, erzählt er beim Interviewtermin mit EuroKommunal.

Noch bevor die meisten Schwadorfer das Haus verlassen, sind die Straßen und Gehsteige geräumt „und die Autobushaltestellen ebenfalls“, sagt Gani Rexhaj, stellvertretender Bauhofleiter und Fahrer des gemeindeeigenen Unimogs. „Die Busfahrer sagen uns oft, dass es bei uns so super ist, weil die Haltestellen um halb sieben in der Früh schon gut geräumt sind.“ Janosi ergänzt: „Um halb sieben sind wir mit dem ersten Umlauf fertig und haben die wichtigsten Gemeindeeinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Ärzte und das Gemeindeamt geräumt und gestreut. Anschließend fahren wir noch eine weitere Runde bei der wir schauen, dass die Parkplätze vor den Kaufhäusern in Ordnung sind. Wir räumen den Schnee komplett von der Straße und vom Gehsteig weg und sammeln ihn auf Grünanlagen. Bei uns sind die Gemeindestraßen immer gut geräumt und gestreut.“ Zu betreuen sind in Schwadorf rund 26 Kilometer Straßennetz und 12 Kilometer Gehsteige.

Stellt der Einsatzleiter in der Früh fest, dass die Straße glatt ist, so holt er seine vier Kollegen in den Dienst, die Bereitschaft haben. Hat es in der Nacht geschneit, so werden alle sieben Mitarbeiter in den Dienst gerufen. „Aber es kommt immer auf die Situation an“, so Janosi. Es wird niemand unvorbereitet aus dem Bett geholt, wir besprechen den Wetterbericht meist schon am Vortag“, so der Bauhofleiter.

In den Wintermonaten hat der Bauhof am Samstag und am Sonntag natürlich auch Bereitschaft, erklärt Bürgermeister Jürgen Maschl: Wir müssen die Straßen verkehrssicher halten, daher ist von 6 Uhr Früh bis 22 Uhr am Abend Bereitschaftsdienst. Bei uns besteht der Winterdienst vor allem aus der Streuung, es muss seltener als anderswo Schnee weggeräumt werden.“

Sieben Männer, vier Geräte
Erledigt wird der Winterdienst in der Gemeinde mit vier Fahrzeugen; einem Radlader, einem Unimog mit Streugerät und Pflug sowie mit zwei Kubota Kleintraktoren, die mit je einem Pflug und einem Streugerät ausgestattet sind.
Gestreut wird in Schwadorf Trockensalz, das in Big Bags geliefert wird. „Wir haben uns natürlich auch viele Gedanken gemacht, ob wir auch Splitt streuen sollen“, erzählt Janosi. „Allerdings ist die Staubbelastung bei Splitt sehr hoch und es fällt auch immer Splitt in den Kanal, was eine zusätzliche Reinigung der Kanalisation erfordert.“

Bei Schneefall ist in Schwadorf eine ordentliche Schneeräumung das Wichtigste. „Wir räumen alles. Oft werden wir gefragt, ob wir in einer Wohnstraße nicht eine Schneefahrbahn lassen können. Aber das bringt nichts, weil es zuerst taut, dann fahren Autos drüber und dann ist die Straße so glatt, dass man nicht einmal mehr zu Fuß gehen kann. Wir räumen und dann kommt Salz darüber. Beim Unimog und bei den Traktoren geht das gleichzeitig, der Radlader ist nur mit einem Schneeschild ausgerüstet, da er über keine Zapfwelle für den Streuer verfügt, hier muss anschließend noch der Unimog mit Salz nachkommen“, erklärt Bauhofleiter Janosi.

Die Strecken, die der Bauhof in Schwadorf winterlich zu betreuen hat, sind in Einsatzplänen festgehalten. Diese liegen im Bauhof und jeder Fahrer hat auch ein Exemplar in seinem Fahrzeug liegen. In den Plänen ist die genaue Strecke festgelegt, wie viele Kilometer zu fahren sind und wie lange man dafür braucht. „Nachdem wir alle langjährige Mitarbeiter sind, fahren wir die Strecken nicht mehr vorher ab, aber wir machen im Herbst eine kurze Besprechung zur Erinnerung“, so Janosi. „Für jedes Fahrzeug haben wir einen Hauptfahrer und einen Ersatzfahrer, falls der Hauptfahrer ausfällt. Wenn es durchschneit, dann fahren wir auch durch.“

© Marktgemeinde Schwadorf

Im Bauhof sind insgesamt sieben Mitarbeiter beschäftigt. Vier fahren die Geräte, die anderen sind Ersatzfahrer und Handmannschaft. „Die Handmannschaft rückt mit der Schneeschaufel aus und räumt Bereiche, die der Kleintraktor nicht gut erreichen kann. Weggeräumt wird der Schnee dann schon vom Kleintraktor, händisch räumen ist ja eine sehr anstrengende Tätigkeit. Es kann aber jeder Kollege bei uns am Bauhof mit jedem Fahrzeug fahren, wir sind alle Berufskraftfahrer, wir haben alle den CE-Schein mit C95-Ausbildung und einen Staplerschein“, erklärt Janosi, der die meisten Winterdiensteinsätze leitet.

Die Sicherheit der Bürger steht an erster Stelle
Die Bundesstraße 10 sowie die beiden Landesstraßen 156 und 2002, die durch Schwadorf führen, werden von der Straßenmeisterei Bruck/Leitha winterlich betreut. „Wenn wir allerdings schon fertig sind und sehen, dass die Bundesstraße noch nicht geräumt ist, machen wir diese natürlich auch mit. Die Sicherheit unserer Bevölkerung ist für uns das Wichtigste“, sagt Gani Rexhaj und ergänzt: „Wir im Bauhof helfen uns allerdings auch gegenseitig beim Winterdienst. Wenn ich mit meinem Umlauf schon fertig bin und der Kollege noch nicht, komme ich ihm natürlich zur Hilfe. Wir sind wie eine Familie im Bauhof.“

© Marktgemeinde Schwadorf

Geholfen wird immer. Bauhofleiter Wolfgang Janosi erzählt von einem abenteuerlichen Einsatz, bei dem Land, Feuerwehr und der Schwadorfer Bauhof viele Fahrzeuge aus einer misslichen Lage befreit haben: „Vor Jahrzehnten gab es einmal Blitzeis, wir waren gerüstet, sind ausgefahren und waren vor Beginn des morgendlichen Frühverkehrs fertig. Die Landesstraße war allerdings noch nicht gestreut, die Leute fuhren aus der Ortschaft, kamen ins Rutschen und binnen kürzester Zeit ist die ganze Landesstraße gestanden. Keiner konnte mehr weiterfahren. Nachdem ich bei der Feuerwehr bin, habe ich bei der Feuerwehr angerufen und wir haben einen Einsatz auslösen lassen. Anschließend habe ich mit dem Bürgermeister Rücksprache gehalten und der Bauhof durfte der Feuerwehr zur Hilfe kommen. Wir mussten händisch unter den Autos Salz streuen, weil wir mit unseren Fahrzeugen auch nicht mehr durchgekommen sind. Wir haben dann auch den Kollegen vom Land bei der Streuung der Landesstraße geholfen. Schließlich ist die Sicherheit der Menschen das Wichtigste.“

Kosten des Winterdienstes
„Im vergangenen Jahr, im Winter 2020/21 hatten wir 25 Einsatztage“, erzählt Bürgermeister Maschl. „Dabei haben wir 7.900 für Streusalz ausgegeben und weitere 8.000 Euro für zusätzliche Personalkosten.“ Die Kosten für den Winterdienst beschränken sich aber nicht nur auf Salz und Personal, sondern es braucht auch Geräte. „Im Jahr 2018 haben wir einen neuen Streuer angekauft, der rund 35.000 Euro gekostet hat, dazu mussten wir weitere 35.000 für den Aufbau ausgeben“, berichtet der Bürgermeister.

Der alte Unimog, der mittlerweile durch ein neues Gerät ersetzt wurde. © Marktgemeinde Schwadorf

„Unsere Großgeräte halten 20 bis 25 Jahre“, erzählt Gani Rexhaj, der schon lange im Bauhof der Gemeinde beschäftigt ist. „den alten Unimog hatten wir von 1994 bis 2019, dann haben wir einen neuen bekommen, der jetzt im Einsatz ist. Die Kleingeräte fahren wir zehn bis 12 Jahre, wobei diese auch stark gefordert sind, im Mäheinsatz muss der Fahrer Vollgas geben, damit der Hydrostat das Mittelmähwerk und die Turbine bewegen kann. Im Winterdienst wird der Kleintraktor geschont, für den Salzstreuer braucht es keine hohe Drehzahl.“

Der Fuhrpark des Bauhofs in Schwadorf ist das ganze Jahr über im Einsatz, für den Winterdienst wird umgerüstet. „Wir montieren die Aufbauten erst bei Bedarf“, erzählt Wolfgang Janosi, „wenn für den nächsten Tag Niederschlag oder Glättebildung angesagt ist, fangen wir schon am Vortag, bevor wir nach Hause gehen, mit dem Umrüsten an. Das geht relativ schnell, beim Unimog dauert es rund 20 Minuten, bei den Kleintraktoren geht es noch viel schneller, das ist in nicht einmal 10 Minuten erledigt. Wir sind ein eingespieltes Team.“

Der Bauhof ist das ganze Jahr im Einsatz
Das Team des Bauhofs ist auch den Rest des Jahres im Dienste der Bürgerinnen und Bürger. „Wir machen eigentlich alles in der Gemeinde. Wir halten die Gemeinde in Schuss und reparieren notdürftig bis eine Fachfirma kommt. Von der Wiege bis zum Grab machen wir fast alles, wir sind sozusagen die zweite Feuerwehr in der Gemeinde“, lacht Janosi. Der Bauhof kümmert sich auch um den Friedhof, hebt die Gräber aus, pflegt die Wege und die Begrünung oder stellt Verkehrszeichen auf. Früher war der Bauhof auch fürs Wasser zuständig, jetzt macht das die EVN. „Aber die brauchen uns nach wie vor, weil wir das Leitungssystem in Schwadorf besser als alle anderen kennen“, erklärt der Bauhofleiter. Wenn die Gemeinde eine Veranstaltung macht, erledigt auch der Bauhof alles rundherum, angefangen vom Aufstellen der Tische bis hin zur Verkabelung – die aber zum Schluss noch von einer Fachfirma abgenommen wird. Nach der Veranstaltung ist der Bauhof dafür zuständig, alles wieder wegzuräumen und das Areal zu reinigen. „Es gibt eigentlich immer was zu tun“, sagt Wolfgang Janosi, „und oft erzählen auch die Kollegen, dass ihnen in der Früh am Weg zur Arbeit etwas aufgefallen ist, das von uns zu richten ist. Dann fahren wir natürlich gleich hin und erledigen das, damit in der Gemeinde stets alles in Ordnung ist.“