Familien testen das Pariser Klimaschutzabkommen

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Foto: © Kairos Ein guter Tag hat 100 Punkte.

In der Stadtgemeinde Baden haben sich Ende Jänner 2021 20 Familien zusammengefunden, um die Pariser Klimaziele einem Praxistest zu unterziehen und festzustellen, ob diese auch im Alltag einer Familie im niederösterreichischen Baden umsetzbar sind.

Von WissenschafterInnen und ÖkonomInnen weltweit wird die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius als größte Herausforderung der Gegenwart gesehen. Die Staatengemeinschaft hat 2015 bei der Klimakonferenz in Paris beschlossen, diese Herausforderung anzunehmen. Bis 2050 müssen wir nahezu ohne Treibhausgasemissionen leben.

Ob uns das schon heute gelingen kann oder wie weit wir durch unser Leben vom 1,5 Grad-Ziel entfernt sind, das soll in diesem Experiment in der Stadtgemeinde Baden ausprobiert werden.

„Wir haben einen Aufruf gestartet und 20 interessierte Familien gefunden, die bei dem Experiment mitmachen wollten“, erzählt Alexandra Zederbauer vom Energiereferat der Stadtgemeinde Baden. Los ging es im Jänner mit einer Analyse jedes Haushalts. Dazu wurde als Basis der Ausstoß von klimawirksamen Gasen (angegeben als CO2-Äquivalente) jedes teilnehmenden Haushalts umfassend analysiert und auf jedes Haushaltsmitglied umgelegt. „Es wurde von jedem erhoben ‚wie lebe ich‘ und ‚wie viel Ausstoß produziere ich‘, etwa durch Ernährung, Auto fahren, etc.“, erzählt Zederbauer. Die CO2-Emissionen jedes einzelnen werden werden in der App „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ auf das Jahr hochgerechnet und in Punkte umgerechnet. Die App heißt deswegen „Ein guter Tag hat 100 Punkte“, weil 100 Punkte umgerechnet das tägliche Budget von 6,8 Kilogramm CO2 sind, um das Pariser Klimaziel zu erreichen. „Die Frage dabei ist, was muss ich dafür tun, dass das möglich gemacht wird“, erklärt Alexandra Zederbauer.

Zum Vergleich: 100 Punkte sind das Ideal. Im Durchschnitt braucht derzeit jede/r Österreicher/in jedoch 450 Punkte oder 31 kg CO2 pro Tag.

Die Basisanalyse von jedem Haushalt liefert einen schnellen Überblick, wo jedes Familienmitglied am meisten CO2 verbraucht und wo die großen Hebel für eine Klimagasreduktion liegen. Dabei werden alle relevanten Bereiche angesehen: Mobilität, Ernährung, Konsum, Strom, Wärme, Haus und Urlaub. Die Konzeption der für Baden angepassten App erfolgte durch den Projektpartner Kairos, das Institut für Wirkungsforschung & Entwicklung aus Bregenz.

Mit Unterstützung der Klimamodellregion Baden und des Energiereferats werden den TeilnehmerInnen im Testmonat Mai etliche Angeboten geschnürt um Neues auszuprobieren. Das kann z.B. ein Elektro-Testauto, eine Stromsparberatung oder ein klimafreundlicher Kochworkshop sein. Ein wesentlicher Aspekt in dem Projekt ist aber auch das Lernen untereinander.

In der Abschlussphase des Experiments reflektieren die TeilnehmerInnen ihre Erfahrungen und formulieren Empfehlungen an politische Entscheidungsträger: welche Rahmenbedingungen sind abseits von individuellen Handlungsspielräumen nötig um die Klimaziele zu erreichen?
Ende Juni 2021 werden die Ergebnisse vorliegen.

Weitere Informationen:
Klima- und Energiereferat der Stadtgemeinde Baden: www.baden.at/Unsere_Stadt/Energie_Klima
Klima- und Energiemodellregion Baden: www.facebook.com/klima.energie.baden