Klimawandel und Baumpflanzungen im Siedlungsgebiet

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Bei Trockenheit muss bei Neupflanzungen unbedingt bewässert werden. Copyright: PID/ Houdek

Das Klima hat sich geändert, das ist unbestritten. Bäume, die bei uns bisher gut gediehen sind, bekommen zunehmend Probleme wegen zu hoher Temperaturen und Trockenheit. Damit stehen Städte und Gemeinden, aber auch andere Straßenerhalter vor neuen Aufgaben: Welche Bäume sind für dicht besiedeltes Gebiet mit sommerlichen Hitzetagen und Trockenheit geeignet?

„Dieses Thema ist nicht nur in Österreich aktuell, sondern damit sind auch schon zahlreiche Ausschüsse in Deutschland befasst“, sagt Wolfgang Lanner vom Amt der Steiermärkischen Landesregierung, der auch Leiter des Ausschusses Landschaftsbau in der FSV (Forschungsgesellschaft Straße-Schiene-Verkehr) ist.

Zahlreiche Baumarten, die bisher in Österreich gerne zum Einsatz gekommen sind, etwa Birke, Kastanie oder Spitzahorn halten die gestiegenen Temperaturen nur mehr schwer aus, die Bäume neigen dadurch vermehrt zu Krankheiten. Ein Alternative dazu ist die Pflanzung von Bäumen, die die Wärme gut vertragen, „diese haben allerdings den Nachteil, dass sie keine einheimischen Bäume sind“, meint Lanner, „dazu zählt etwa auch die Purpurerle.“

Auch bei den Waldbäumen kommt es zu zunehmenden Problemen. Fichten, die bisher gerne gepflanzt wurden, weil sie schnell wachsen und zuverlässig Holz liefern, machen die steigenden Temperaturen ebenfalls zu schaffen, sie werden durch höhere Temperaturen wesentlich krankheitsanfälliger.

Winterlinde mit ausreichendem Entwicklungsraum

Funktionen von Bäumen im Straßenbereich
Ein Baum im öffentlichen Raum soll nicht nur gut aussehen, er hat auch Funktionen zu erfüllen. „Es stellt sich die Frage, wofür brauche ich den Baum? Erst dann kann entschieden werden, welchen man nimmt. Dazu braucht es aber Sachkenntnis. Oftmals wird von Straßenplanern auch übersehen, dass ein Baum oberirdisch und unterirdisch wächst, Platz braucht und meist erst nach 20 Jahren die ‚Zielgröße‘ erreicht hat. Es ist nicht wie bei einem Straßenschild, das man hinstellt und sich in der Größe nicht ändert – dieses Faktum wird von den Planern oftmals übersehen“, erklärt Wolfgang Lanner.

Anforderungen für Bäume an Verkehrswegen
Einen geeigneten Baum zu finden, der entlang der Straße oder auf Parkplätzen gepflanzt werden kann, ist nicht so einfach. Der Baum sollte hoch werden, einen durchgehenden Leittrieb besitzen damit das Lichtraumprofil freigehalten werden kann, Schatten spenden, aber auch keinen Fruchtfall haben, da sonst z.B. parkende Fahrzeuge beschädigt oder verunreinigt werden können. Der Baum sollte zudem starkes und nichtbrüchiges Astwerk ausbilden. Zusätzlich wäre es von Vorteil, wenn der Baum kleine Blätter hätte, damit wird das Einkehren des Laubs erleichtert. Für den Verkehrswegebereich kommt noch hinzu, dass der Baum unbedingt ein gewisses Maß taumittelverträglich sein sollte, da im Winter in bestimmten Bereichen leider Salz gestreut werden muss.

„Bei diesen Anforderungen fallen schon einige Bäume aus: Der Walnussbaum hat Fruchtfall, die Pappel besitzt eher brüchiges Astwerk die Eberesche braucht es feucht und kühl – sie ist eigentlich ein Baum, der in Höhenbereichen rund um die Baumgrenze vorkommt und Hitze überhaupt nicht verträgt – und Eichen kommen mit Salz im Boden nicht zurecht. Zudem können Eichen in Parkplatzbereichen auch ein Problem darstellen, da die fallenden Eicheln Löcher in den Lack der Autos schlagen können. Hainbuchen wären ideal, aber auch sie vertragen Salzbelastungen im Boden ganz schlecht. Es ist also schwierig“, gibt Wolfgang Lanner zu bedenken.
Sieht man vom Fruchtfall ab, war die Rosskastanie bisher immer ein geeigneter Baum für den städtischen Bereich. Leider sind die steigenden Temperaturen für Rosskastanien ebenfalls problematisch und der Baum wird anfälliger für Krankheiten.

Kleine Klimaänderung und die Bäume wachsen unkontrolliert
„Geeignet sind – abgestimmt auf den Pflanzort – Gleditschie, Purpurerle, chinesische Wildbirne, Blasenesche, Ginkgo oder der Zürgelbaum – diese sind zwar keine heimischen Baumarten, aber sie halten Hitze aus, sind stadtfest und eignen sich gut für Verkehrswege“, schlägt Lanner vor, der aber gleichzeitig warnt: „Mit Pflanzen, die eigentlich keine heimischen Arten sind, aber trotzdem hier gedeihen, kann es aber auch zu großen Problemen kommen: Wenn sie gut gedeihen, wollen sie sich auch erfolgreich fortpflanzen.“
Dieselbe Thematik stellt sich auch bei Bäumen und Sträuchern: Der Götterbaum, der bereits ab1860 beim Bau der Ringstraße in Wien gepflanzt wurde und damals keine Probleme machte, entwickelte sich im Laufe der Jahre sehr wohl zu einem solchen. Mittlerweile gilt der Baum als „invasiver Neophyt“, der, sobald er irgendwo auftaucht, entfernt werden sollte, da er sich rasant vermehrt und droht den heimischen Baumbestand zu verdrängen. „Es braucht nur eine kleine Klimaänderung und eine Pflanze wird zum Problem“, erklärt Experte Wolfang Lanner. In Serbien, wo das Klima eigentlich sehr ähnlich ist wie hier, vermehrt sich z.B. der Flieder in lichten Wäldern rasant.

„Aus diesem Grund kommen jetzt auch öfter spezielle Züchtungen zum Einsatz, die ein Blühen oder das Fruchten verhindern, damit sich die Bäume nicht ausbreiten“, erklärt Lanner, „das wurde beispielsweise beim Blauglockenbaum geschafft. Dieser Baum ist eigentlich in China heimisch und vermehrt sich bei uns rasant. Durch die spezielle Züchtung kann der Baum nun bei uns gepflanzt werden, ohne dass er sich unkontrolliert vermehrt.“

Heimische Laubbäume
Welche Bäume sind nun geeignete Bäume für Verkehrswege und sind dazu noch bei uns heimisch? „In kühleren Lagen eignen sich Ahornarten, Lindenarten, oder auch wieder einmal alte Birnensorten als Hochstamm gepflanzt – dabei ist allerdings wieder der Fruchtfall zu beachten und auch die Gefahr von Wespen, die automatisch kommen, wenn die gefallenen Früchte nicht eingesammelt werden“, gibt Lanner zu bedenken.

Sträucher als Nahrungsquelle für Tiere
Bei Sträuchern stellt sich das Problem mit dem Klimawandel eher nicht, sie kommen mit Hitze besser zurecht. Allerdings werden oftmals auch „hübsche“ Sträucher wie etwa Spiere, Flieder oder Forsythie, die aus dem Ausland importiert wurden und der heimischen Tierwelt kaum Nahrung bieten, heimischen Straucharten vorgezogen. „Man sollte vor allem darauf achten, wenn irgendwie möglich heimische Pflanzen zu wählen, die den Bienen Futter bieten“, erklärt Lanner, „daher sollte man darauf achten, nicht nur gefüllt blühende Pflanzen zu setzten. Es ist wichtig, dass die Blüten in der Mitte Staubblätter haben, um Nahrungsquelle für Insekten zu sein.“

„Bei der Pflanzung von Bäumen im Siedlungsgebiet und vor allem an Verkehrswegen sollten sich Straßenplaner, Architekten und sonstige Laien unbedingt beraten lassen“, appelliert Wolfgang Lanner. Denn einen Baum nur nach persönlicher Vorliebe oder billigstem Preis auszusuchen, kann sich schnell als teure Fehlentscheidung herausstellen. Entsprechende Beratung zur Baumartenwahl bekommt man bei größeren Gemeinden oder Städten mit Grünflächenämtern. Als technische Richtlinie für Gehölzpflanzungen an Verkehrswegen (z.B. erforderliche Abstände) dient die RVS 03.10.11 Planung und Anlage von Grünflächen (FSV 01.04.2019).