Klimawandelanpassung: Projekte gesucht

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Bäuerin Regina Heckmann und ihr Sohn Peter bei der Kontrolle des eingegrabenen Regenwassertanks. © KLAR!

Der Klima- und Energiefonds führt sein Projekt Programm „KLAR! – Klimawandel-Anpassungsmodellregionen“ weiter. Regionen, die schon dabei waren, können für die nächste Phase einreichen. Aber auch neue Modellregionen können in das Programm aufgenommen werden. Einreichschluss ist der 29.01.2021.

Das Programm KLAR!, das mit 2,5 Millionen Euro budgetiert ist, wendet sich an Gemeinden im ländlichen Raum, die sich zu Regionen zusammenschließen. Eine Klimawandel-Anpassungsmodellregion soll aus mindestens zwei Gemeinden bestehen und mindestens 3.000 und höchstens 60.000 EinwohnerInnen umfassen.

Das Programm ist in 3 Phasen gegliedert: Die erste Phase besteht aus der Konzepterstellung mit Bewusstseinsbildung, die zweite Phase ist für die Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen gedacht und in der dritten Phase liegt der Focus auf der Weiterführung, Adaptierung und Disseminierung.

Dieses Jahr liegt der Förderschwerpunkt auf Phase 1, Konzepterstellung und Bewusstseinsbildung. Es werden Klimawandel-Anpassungsmodellregionen gesucht, die die Absicht haben, alle Phasen des Programms zu durchlaufen. Darüber hinaus können auch Regionen aus der Phase 2 und 3 wieder einreichen.

Regenwassernutzung in der KLAR! Kaunergrat
Die Gemeinden Fließ, Prutz, Faggen, Kauns, Kaunerberg und Kaunertal haben sich im Jahr 2018 zu einer Klimawandelanpassungsmodellregion zusammengeschlossen und das Projekt „KLAR! Regenwassernutzung“ initiiert. Dabei wurde interessierten BürgerInnen ein finanzieller Anreiz geboten, in ihren Gärten Regewasserspeicher zu installieren. In den Gemeinden Fließ und Faggen wurden so insgesamt bereits 32 Wasserspeicher mit einem Fassungsvermögen von etwa 136.000 Liter eingebaut.

Bürgermeister Peter Bock: „Beim Thema „Klimawandel“ kommt den Gemeinden eine wichtige Schlüsselfunktion zu. Sie können direkt vor Ort konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel setzen. So sehen und spüren die Menschen, dass wir alle einen Beitrag leisten können.“

Regina Heckmann, Bäuerin in der Gemeinde Fließ, hat das Angebot in Anspruch genommen: „Uns hat das Projekt ‚Regenwasserspeicher‘ sehr geholfen. Wir konnten in diesem Frühjahr das Wasser schon zum Beregnen des Gemüsegartens und eines Feldes unterhalb von unserem Haus nutzen.“

Die Projektkoordinatorin der KLAR!, Ulrike Totschnig ergänzt: „Die äußerst trockenen Sommer der letzten Jahre haben verdeutlicht, dass der Klimawandel im vollen Gange ist. Hitzeperioden und Trockenheit werden in Zukunft in Tirol genauso verstärkt auftreten, wie Starkregenereignisse. Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und steht schon heute nicht mehr überall unbegrenzt zur Verfügung.“

Rund 75 Liter Wasser täglich für Klospülung und Co.
Eine Person in Österreich verbraucht pro Tag in etwa 150 Liter Wasser. Die Hälfte davon wird beim Trinken, Kochen, Baden oder Geschirrspülen verbraucht, der Rest für Klospülung, Garten gießen oder Auto waschen. Mit einem Regenwasserspeicher können bis zu 50 Prozent des Trinkwasserverbrauchs durch Regenwasser ersetzt werden. Die Regenwassertonnen entlasten durch die Zurückhaltung der Wassermassen bei Starkregenereignissen zudem Kanalsysteme und Bäche. „Für viele Menschen in Tirol ist es kaum vorstellbar, dass wir uns über das Wasser Gedanken machen müssen. Doch der Klimawandel stellt uns vor diese herausfordernde Aufgabe. Durch lokal wirksame Anpassungsmaßnahmen wirken wir den globalen Veränderungen entgegen“, beton Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe.

Projekt wird verlängert
Aufgrund der großen Nachfrage verlängert das Land Tirol das Projekt „Regenwassernutzung im Tiroler Oberland“ im Rahmen der Konjunkturoffensive 2020 um eine zweite Projektphase bis Ende 2021 in der Klimawandelanpassungsmodellregion. „Die Region zählt aufgrund ihrer inneralpinen Lage zu den niederschlagsärmsten Gebieten des Alpenraums. Die Extremwetterphänomene werden mit steigendem Trink- und Brauchwasserbedarf einhergehen. Eine nachhaltige und ressourcenschonende Regenwassernutzung in diesen Gebieten spielt daher eine zunehmend wichtige Rolle bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Dabei wollen wir die Menschen in dieser besonders sensiblen Region unterstützen“, sagt Felipe. Daher gibt es für das Projekt auch Geld vom Land Tirol: Im Konjunkturpaket 2020 stehen daher nochmals 50.000 Euro für die Klimawandelanpassungsmaßnahmen zur Verfügung, womit knapp 50 Speicher mit einem Fassungsvermögen von rund 200.000 Litern gefördert werden können.

Weitere Praxisbeispiele
Auch in den anderen der insgesamt 39 Klimawandelanpassungsmodellregionen in ganz Österreich gibt es spannende Projekte: Die Klimawandelanpassungsregion Pinkafeld-Riedlingsdorf hat sich bei ihrem Projekt dem Katastrophenschutz verschrieben, da die Region bereits mehrmals von Hochwasser betroffen war. Neben den baulichen Hochwasserschutzmaßnahmen wurde eine Bewusstseinsbildungskampagne mit den Schwerpunkten Prävention, richtiges Verhalten im Ereignisfall und Nachsorge gemeinsam mit den Feuerwehren initiiert.

In der KLAR! Joglland wurden gemeinsam mit den örtlichen Bauernbünden, dem Waldverband und dem Forstreferat der Bezirkskammer Hartberg-Fürstenfeld klimafitte Baumpflanzen gekauft und eingepflanzt.

Noch mehr Praxisbeispiele und alle Informationen zur Einreichung finden Sie unter: www.klar-anpassungsregionen.at

Bäuerin Regina Heckmann und ihr Sohn Peter bei der Kontrolle des eingegrabenen Regenwassertanks. © KLAR!