Den urbanen Winterdienst fest im Griff trotz Extremwetterlagen…

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…hat DI Martin Nigitz, Abteilungsleiter der Holding Graz. Eurokommunal traf ihn zum Gespräch über seine Erfahrungen im Winterdienst in Zeiten des Klimawandels und diskutiert über Vorteile moderner Glatteisfrühwarnsysteme.

Eurokommunal: Herr DI Nigitz, der Winterdienst in Städten stellte schon immer eine besondere Herausforderung dar – wie hat sich die Situation mit den zunehmenden Wetterkapriolen für Sie als Winterdienstverantwortlicher in Graz dadurch verändert?

Nigitz: wir sind im Winterdienst mit Veränderungen in vielfacher Weise konfrontiert. Zum einen kommt es immer öfter zu Extremwetterlagen – 50cm Schnee in wenigen Stunden legt Städte wie Graz im Handumdrehen lahm, wenn man nicht perfekt vorbereitet ist. Zum anderen der Wunsch der Wirtschaft und der Bevölkerung die Verkehrswege zu jedem Zeitpunkt sicher befahrbar zu haben – das ist der 2. Punkt im Spannungsdreieck, der 3. Punkt ist – wie so oft in Zeiten von Sparpaketen – durch Budgetgrenzen vorgegeben.

Eurokommunal: Wie man hört, machen die Bürger auch immer mehr davon Gebrauch ihr „Recht auf Sichere Verkehrswege“ einzuklagen. Stichwort Verkehrsunfall und Versicherungsersatzleistung – Verzeichnen Sie auch einen Anstieg?

Nigitz: Bei uns gibt es zwar einen Anstieg der Gerichtsfälle, gleichzeitig aber auch eine starke Reduktion der Versicherungsersatzleistungen. Das ist ganz klar auf unsere gute Dokumentation zurückzuführen. Wetterprognosen einerseits und die tatsächlich ermittelten Wetter- und Fahrbahnzustandsdaten des Glatteisfrühwarnsystems andererseits haben unsere Position vor Gericht drastisch verbessert.

Eurokommunal: In vielen Kommunen gilt ein Glatteisfrühwarnsystem noch immer als verzichtbarer Luxus, kompliziert und teuer. In Graz denkt man da offenbar etwas anders?

Nigitz: Die eigentliche Herausforderung – speziell bei Extremwetterereignissen – ist der Zeitfaktor. Es muss dabei gelingen binnen kürzester Zeit alle Einsatzkräfte zu mobilisieren, ohne sie vorher lange und kostenintensiv auf Bereitschaft zu halten. Das gelingt nur mit perfekter Alarmierung im Fall der Fälle, wie es das MDSS-System von BOSCHUNG bietet. Damit haben sie schon – neben der zuvor erwähnten Gerichtsverwertbarkeit – einen weiteren Nutzen eines GFS-Systems. Wenn sie alle Aspekte mit einbeziehen relativieren sich die vermeintlich hohen Kosten zu einer sinnvollen Investition – so sehen wir das zumindest in Graz.

Eurokommunal: Sie haben gerade den Begriff MDSS genannt. In der Langform bedeutet er Maintenance Decission Support System ein sehr sperriger Begriff – können sie unseren Lesern die Eckpunkte dazu kurz umreißen?

Nigitz: ein MDSS unterstützt sie unter anderem bei der Entscheidung ob und wann sie einen Winterdiensteinsatz starten. Dazu werden viele Informationen zu einer Entscheidungsgrundlage verdichtet. Sensoren die an besonders exponierten Stellen platziert werden, liefern dafür Daten über den aktuellen Niederschlag, die Fahrbahn- und Lufttemperatur oder geben Auskunft über den aktuellen Fahrbahnzustand d. h. trocken oder feucht, Schnee oder Eis usw.
Um ein wenig in die Zukunft blicken zu können, stehen uns dann noch Wetterprognosen oder die aktive Gefrierpunktmessung zu Verfügung. Letztere liefert eine auf Zehntelgrad genaue Aussage darüber, wie weit die Fahrbahntemperatur noch sinken darf, bis es zu einem Gefrieren auf der Fahrbahn kommt – damit gewinnen wir wertvolle Zeit, um rechtzeitig einen Streueinsatz starten zu können.

Eurokommunal: Das klingt aber nun doch wieder kompliziert. Viele Informationen erschweren doch letztendlich eine rasche Einsatzentscheidung?

Nigitz: Nein, ganz und gar nicht. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, die Qualität eines MDSS-Systems erkennt man daran, dass komplexe Zusammenhänge in Form eines einfach verständlichen Endergebnisses dargestellt werden.
In unserem Fall verdichtet das MDSS diese Einzelinformationen zum 3 -Stufigen BOSCHUNG-Alarmkonzept. Vereinfacht gesagt macht Alarm 1 auf winterliche Bedingungen aufmerksam, Alarm 2 empfiehlt einen zeitnahen Einsatz und bei Alarm 3 ist Feuer am Dach – z.B. wenn das System Regen auf einer unterkühlten Fahrbahn detektiert. Da zählt dann wirklich jede Sekunde.
Und wer es noch einfacher haben möchte, der wirft einen Blick auf die Bilder der Straßenwetterkamera die ebenfalls Teil des MDSS ist. Bei uns hat sich die Straßenwetterkamera übrigens nicht wegen ihrer Einfachheit bestens bewährt, sondern wegen der Möglichkeit die Tauwirkung nach einem Streueinsatz perfekt abschätzen zu können.

EuroKommunal: Danke für das sehr informative Gespräch!

Das in der Stadt Graz verwendete Glatteisfrühwarnsystem ist ein Produkt der Firma BOSCHUNG. Informationen dazu erhalten Sie unter: www.boschung.at, sales[at]boschung.at, Tel.: +43 1 911 81 68