Kommunalkredit hat Ziele vorzeitig erreicht

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Foto Von links: Bernd Fislage (Kommunalkredit), Hanna Kordik (Die Presse) und Christoph Badelt (Präsident des Fiskalrates) © EuroKommunal/Sinhuber

Die Kommunalkredit Austria AG hat heute, 31.03.2022, ihr Ergebnis für 2021 bekanntgegeben. Das Geschäftsmodell der Bank – die Finanzierung von Infrastruktur, und dabei vor allem nachhaltige, „grüne“ Projekte – trifft genau den Nerv der Zeit und das spiegelt sich auch im Ergebnis wider: Das Neugeschäftsvolumen im Bereich der Infrastruktur- und Energiefinanzierungen liegt mit EUR 1,9 Mrd. um 65 Prozent über dem Vorjahresergebnis. Das operative Ergebnis stieg um 26 Prozent auf EUR 60,1 Mio. Die Cost-Income-Ratio der Bank konnte in einem nach wie vor angespannten Niedrigzinsumfeld auf 47,9 Prozent reduziert und ein Return on Equity vor Steuern von 19,5 Prozent erwirtschaftet werden. Die Non-Performing-Loan-Ratio (NPL) ist seit der Privatisierung im Jahr 2015 – trotz anhaltender COVID-19-Pandemie, steigender Zinssätze und hoher Inflationsraten – konstant bei 0,0 Prozent.

Bernd Fislage, CEO der Kommunalkredit
Foto: Petra Spiola

Kommunalkredit-Vorstandsvorsitzender Bernd Fislage freut sich über die gute Performance: „Als ich die Bank als Vorstandsvorsitzender übernommen habe, haben wir das Strategieprogramm 50-50-10 bis Ende 2022 ausgegeben. Das heißt 50 Millionen Euro operatives Ergebnis, 50 Prozent Cost-Income-Ratio, 10 Prozent Return on Equity. Es freut mich besonders, dass wir unsere Ziele bereits ein Jahr vorzeitig erreicht haben!“

Die Kommunalkredit Austria AG stützt ihr Geschäftsmodell auf zwei Säulen; einerseits ist das Public Finance – etwa die Finanzierung von Kindergärten, Schulen, öffentlicher Schwimmbäder und dergleichen – und andererseits die Finanzierung privater Infrastruktur und Energie. Darunter fallen beispielsweise Windkraftanlagen in Finnland, Breitbandausbau in den Niederlanden oder Gesundheit- und Pflegeeinrichtungen in Großbritannien.

Christoph Badelt, Präsident des Fiskalrates, meinte im Rahmen einer Veranstaltung am 30.03.2022 in der Kommunalkredit zum Thema „Infrastruktur neu denken“, dass es in Zukunft mehr Infrastruktur brauchen werde – etwa den Ausbau von Breitbandinternet, da die Leute vermehrt zu Hause arbeiten, den Ausbau von Alternativen zur Energieversorgung mit Gas, aber auch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Wenn die Preise für Treibstoff so hoch sind, lassen die Leute ihr Fahrzeug zu Hause stehen und wollen auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Dazu brauche es aber auch ein entsprechendes Angebot. „Eine Bank, die Infrastrukturfinanzierung macht, hat demnach gute Perspektiven“, so Badelt, der in der Vergangenheit nicht nur Rektor der WU Wien war, sondern auch Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO.

Unsichere Zeiten, aber keine Gefahr einer Rezession
Zum Thema Spritpreise meinte Badelt, dass eine Senkung der Mehrwertsteuer und der Mineralölsteuer zwar politisch gewollt sei, ökonomisch gesehen aber ein Fehler. Seiner Meinung nach wären Unterstützungen von Menschen mit weniger Einkommen sinnvoller als Maßnahmen, die vor allem Besserverdiener entlasten. Auch die Unterstützung der Industrie bei der Abfederung der hohen Gaspreise sieht er skeptisch, denn Marktwirtschaft propagieren, aber Subventionen haben zu wollen, sei bedenklich.
Auch wenn uns die Inflation momentan alle trifft und keiner so genau weiß, was kommt, „ist derzeit keine Rede von einer Rezession“, so Christoph Badelt.