Linz möchte „Klimahauptstadt Europas“ werden

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Das Neue Rathaus bekommt im Frühjahr eine begrünte Fassade. (c) Magistrat Linz

Die Begrünung von Fassaden, Elektroautos als Dienstfahrzeuge oder der Ausbau der Fernwärme – diese und viele andere Maßnahmen sind im 1. Linzer Klimaprogramm festgeschrieben, das am 7. November 2019 vom Gemeinderat beschlossen wurde. Im Rahmen einer Pressekonferenz im Jänner 2020 stellte Bürgermeister Klaus Luger das neue Programm vor, äußerte sich bei dieser Gelegenheit aber auch skeptisch zum Thema CO2-Besteuerung.

Industrie und Klimaschutz sind kein Widerspruch
Auf Basis der von der UNO formulierten Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals) entwickelte Linz eine Nachhaltigkeitserklärung samt Maßnahmenkatalog für einen vorbildlichen Klimaschutz. Unter Einbeziehung der städtischen Bevölkerung soll so die Bewältigung der negativen Auswirkungen des Klimawandels begegnet werden.
„Linz und die hier angesiedelte Industrie haben in der Vergangenheit oft bewiesen, dass Klimaschutz und zukunftsfähige Industriearbeitsplätze in keinem Widerspruch stehen. Industrie und Umwelt sind die DNA von Linz und bereiten den Weg für die innovative Zukunft der Stadt“, so Bürgermeister Klaus Luger. „Als gemeinsames Ziel wurde vereinbart, dass sich Linz bis zum Jahr 2025 um den Titel „Klimahauptstadt Europas“ bewirbt. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde mit einer Grundsatzerklärung zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und einer umfassenden Klimastrategie der Fahrplan von Linz festgelegt. Der 19 Punkte umfassende Maßnahmenkatalog soll mit 2020 schrittweise umgesetzt werden“, so Luger weiter.

Ausbau der Fernwärme
Einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität leistet die Fernwärme durch die Linz AG. Fernwärme-Ausbau reduziert maßgeblich den so genannten Hausbrand und die Feinstaubbelastung. Die jährliche CO2-Ersparnis durch den Fernwärmeausbau in Linz entspricht etwa dem Ausstoß von 100.000 PKWs pro Jahr. Ende September 2019 wurde die 80.000ste Wohnung an das Linz AG-Fernwärmenetz angeschlossen. Bis 2025 sollen weitere 10.000 Wohnungen folgen.

Klima-Enquete
2020 sollen in Linz die ersten Maßnahmen zur Reduktion von Schadstoffen und der Klimaerwärmung gesetzt werden. Neben einer zusätzlichen personellen Ausstattung wie eine eigens geschaffene Klimastabstelle sowie des Stadtklimatologen soll ein Klimabeirat als ExpertInnenbeirat ab März das erste Mal tagen und Vorschläge bewerten. Des Weiteren wird die bereits Ende 2019 beschlossene Stadtklimaanalyse im heurigen Jahr beauftragt und ausgearbeitet. Diese soll als Basis für die weitere Klima-Strategie dienen. 2020 wird auch erstmalig eine große Klima-Enquete stattfinden.

Pilotprojekt Fassadenbegrünung Neues Rathaus
Bereits Ende 2019 begannen die Arbeiten zur Begründung der Fassade des Neuen Rathauses in Linz. Dabei wurde an der süd- und westseitigen Fassade im dritten Stock eine Edelstahlkonstruktion mit einem Edelstahlgitternetz angebracht. Dieses Netz dient den noch einzusetzenden Pflanzen als Kletter- und Rankhilfe, im Frühjahr erfolgt die Bepflanzung. Diese Maßnahme soll die Überhitzung der dahinterliegenden Büroräumlichkeiten verhindern.
Darüber hinaus finden derzeit weitere Planungen statt, an welchen städtischen Objekten eine Fassadenbegründung sinnvoll durchgeführt werden kann. Auch Projekte zur Dachbegrünung und zur Entsiegelung von Parkflächen durch Rasengittersteine sind derzeit in Ausarbeitung.

E-Auto als Dienstfahrzeug
Als Ersatz eines Dienstwagens mit Verbrennungsmotors wird im 1. Quartal ein kleiner Mittelklasse PKW mit elektrischen Antrieb angekauft. Derzeit werden diverse Alternativen geprüft. Dieses erste Elektroauto soll vor allem für Dienstfahrten im innerstädtischen Verkehr eingesetzt werden und so die Umwelt schonen.

Eine Klima-Milliarde für die Industrie
Weiters braucht es natürlich auch die Einbeziehung und Berücksichtigung weiterer wichtiger Säulen der Stadtentwicklung. „Ich habe im Zusammenhang mit dem Ars Electronica Festival davon gesprochen, dass Industrie UND Umwelt zur DNA unserer Stadt gehören. Darum braucht es auch bei der Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels das Miteinander mit der Industrie. Die CO2-intensiven Produktionsbetriebe am Standort Linz haben schon viel geleistet, um Linz zur saubersten Industriestadt zu machen. Um ihre Anstrengungen intensivieren zu können und trotzdem ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, braucht es aber die Unterstützung in Forschung und Entwicklung. Darum fordern wir von der neuen Bundesregierung eine Klima-Milliarde für die Industrie, um in die Forschung und Umsetzung klimafreundlicher Produktionsweise investieren zu können und die begonnenen Prozesse zu beschleunigen“, meint Luger.

CO2-Bepreisung problematisch
Reserviert zeigt sich Bürgermeister Klaus Luger gegenüber einer reinen Besteuerung von Kohlendioxid, wie dies im neuen Regierungsprogramm vorgesehen ist. Hier müssten die Bedürfnisse der Industrie besser berücksichtigt werden. Ökonomen konzentrieren sich in ihren Vorschlägen für die Regierung auf zwei Schwerpunkte: einerseits auf den Ausbau von erneuerbarer Energie und andererseits auf die Besteuerung von CO2. „Rechnet man pro Tonne CO2 50 Euro, so würde die von den Ökonomen aufgestellte Rechnung Mehreinnahmen von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr bedeuten. Diese Mehreinnahmen könnte man, wie von den Ökonomen vorgeschlagen, zum Teil als Klimabonus an die in Österreich lebenden Personen ausbezahlen. Das wären pro Person und Monat rund 20 Euro. Ein CO2-Preis von 50 Euro je Tonne würde jedoch die österreichische Stahlindustrie an den Rand der Wettbewerbsfähigkeit drängen. Deshalb ist die Bundesregierung gut beraten, durch eine eigene Klima-Milliarde unsere Industrie in Forschung und Entwicklung zu unterstützen. Stillgelegte Hochöfen reduzieren zwar CO2, ziehen jedoch dem Linzer Wohlstand den Boden unter den Füßen weg,“ so Bürgermeister Klaus Luger.

Quelle: Medienservice der Stadt Linz