Neue Materialien im Straßenbau

286
Das schwarze Glasschaumgranulat wird mit einer Walze in mehreren Walzgängen – mit einem vorher genau definierten Verdichtungsverhältnis – in mehreren Lagen eingebaut. © Land Salzburg

Beim Bau der Entlastungsstraße in Schüttdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Zell am See in Salzburg, kam erstmals Glasschaumgranulat zum Einsatz.

„Unsere Experten haben hier Mut bewiesen, ganz neue Materialien wie das superleichte Glasschaumgranulat kommen zum Einsatz“, sagt Verkehrslandesrat Stefan Schnöll. Die Innovation war nötig, denn der Untergrund ist schwierig.
Torf, Schluff, Schlamm, eine stabile Felsbasis weit im Untergrund – das ist der Alptraum eines jeden Straßenbauers. „Die Voraussetzungen für die Entlastungsstraße hier in Schüttdorf waren sehr herausfordernd. Doch auf unsere Experten im Land Salzburg ist Verlass, sie haben eine Lösung für alle Probleme gefunden, arbeiten hier unter anderem mit der Technischen Universität Wien zusammen. Der Bau ist gut im Zeitplan, wir werden im Juni 2022 fertig sein. Die Pendler können es kaum erwarten“, so der Landesrat.

Dass hier die 1,5 Kilometer lange Umfahrung überhaupt entstehen kann, ist ein kleines oder auch größeres Wunder der Technik. „Wir müssen zirka acht Meter hinauf, um über die Pinzgauer Lokalbahn zu kommen. Dieser aufgeschüttete Damm besteht aus sogenanntem Glasschaumgranulat, ein superleichtes Material, das ungefähr nur ein Sechstel des Gewichtes von üblichem Schüttmaterial hat“, so Projektleiter Christian Cecon vom Land Salzburg. So kommen rund 2.400 Tonnen Glasschaum zum Einsatz, normal wären es rund 14.500 Tonnen herkömmliches Schüttmaterial.

Martin Quas, Leiter der Bauaufsicht von Seiten des Landes, ergänzt: „Das Glasschaumgranulat ist ein Recyclingprodukt aus Altglas. Erzeugt wird es, indem das Glas verflüssigt und aufgeschäumt wird. Beim Erkalten bricht das Material und es sieht aus wie Stein. Der Vorteil des Materials ist, dass es kein Wasser aufnimmt und auch wesentlich weniger wiegt als herkömmliches Gestein. Wir verwenden dieses Leichtmaterial, damit wir wegen der geringen Tragfähigkeit des Untergrundes keine Probleme im Dammbereich bekommen.“

Holzpfähle wie in Venedig
Grund für die innovative Leichtbauweise ist der instabile Untergrund, kurz gesagt Schluff und Schlamm. „Hätten wir hier normal gebaut, wäre die Rampe schlicht und einfach versunken. Also haben wir ähnlich wie in Venedig rund 900 Holzpfähle als ,Setzungsbremse‘ in die weiche Erde gerammt, sehr engmaschig. Darauf kommt eine Ausgleichsschicht und darauf wiederum in Schichten der Glasschaum“, erklärt Cecon, der seit 2014 intensiv mit dem Projekt beschäftigt ist, die gewählte Bauweise. Dieses Material sieht Steinen verblüffend ähnlich, liegt aber federleicht in der Hand. Diese ungewöhnliche und ausgeklügelte Kombination aus den Holzpfählen plus verdichtetem Glasschaum setzt die neue Straße auf eine stabile Basis.

„Glasschaumgranulat kommt im Straßenbau nicht sehr häufig zum Einsatz“, erklärt Martin Quas, „er wird eher im Hochbau verwendet, beispielsweise unter Betonbodenplatten wenn ein Keller betoniert wird. Im Infrastrukturbau wird er lediglich bei schlecht tragenden Böden verwendet. Es ist auch eine Kostenfrage, da das Material wesentlich teurer ist als normales Schüttmaterial. Hinzu kommt noch, dass der Einbau aufwändiger ist und sehr präzise geplant werden muss“, so der Leiter der Bauaufsicht.

Brücke als weiteres Herzstück
Weiteres Herzstück der Entlastungsstraße ist die Brücke über die Pinzgauer Lokalbahn. „Sie konnte im Gegensatz zum Damm an der steil abfallenden Felslinie mit 47 Großbohrpfählen, die bis zu 27 Meter lang sind, auf festem Untergrund gegründet werden. Wir haben außerdem die Bauarbeiten so gelegt, dass die Bahn keinen einzigen Tag stehen musste. Die Spannweite von 11,5 Meter und die lichte Höhe von 6,20 Meter sind schon beeindruckend. Es macht ehrlich gesagt Spaß, so eine besondere Konstruktion umzusetzen, vor allem weil alles Hand in Hand gehen muss“, sagt Wolfgang Mariacher vom Brückenbauteam des Landes Salzburg.

Am Beginn und am Ende der neuen Entlastungsstraße wird jeweils ein Kreisverkehr errichtet. Die Kosten für das Projekt, das in Juni 2022 fertig sein soll, belaufen sich auf 18,4 Millionen Euro.