NÖ will bei „Aktiver Mobilität“ Europaspitze werden

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Landesrat Ludwig Schleritzko, Julia Krenn, Expertin aus dem NÖ Landesstraßendienst und Werner Pracherstorfer, Landesverkehrsplaner präsentierten die neue Strategie. (v.li.n.re.) Foto © NLK/Filzwieser

Aktive Mobilität – das ist zu Fuß gehen und Fahrrad fahren. Im Bundesland Niederösterreich hat Landesrat Ludwig Schleritzko eine eigene Strategie für die „Aktive Mobilität“ entwickelt und möchte dabei zu den Top-Regionen in Europa aufsteigen. Das ehrgeizige Ziel: Den Anteil der zu Fuß und auf dem Fahrrad zurückgelegten Wege in Niederösterreich in den 20er-Jahren auf 44 Prozent verdoppeln und „das Radland Niederösterreich zum Beispiel-Projekt für andere Regionen Europas machen“, so der Landesrat.

Niederösterreich sei als ein Land der Pendler bekannt, es sei aber noch nicht bekannt dafür, ein Land der Radfahrer und Fußgänger zu sein, sagt Schleritzko, der das nun ändern möchte: „Ich freue mich sehr darüber, dass wir heute erstmals für das Land Niederösterreich eine Strategie vorlegen können, die sich ausschließlich mit der Förderung von aktiver Mobilität auseinandersetzt.“ Damit werden die Bedürfnisse von Fußgängern und Radfahrern mit jenen von Öffi-Nutzern und PKW-Nutzern gleichgesetzt.

Über ein Jahr lang wurde in Niederösterreich an der Strategie gearbeitet. „Wir haben wichtige Erkenntnisse in der Motiv- und Verhaltensforschung sammeln können. Auch die Expertise aus der Fachwelt und vieler NGOs wurde gehört und ist in das vorliegende Papier eingeflossen. Wir haben aus den Beiträgen der Expertinnen und Experten fünf konkrete Handlungsfelder abgeleitet. Alle Handlungsfelder sind mit konkreten Maßnahmen unterlegt, wobei es auch immer Maßnahmen gibt, die rasch umgesetzt werden können“, erläutert Landesrat Ludwig Schleritzko.

Die fünf Handlungsfelder:
• Infrastruktur
• Multimodalität
• Digitalisierung & Elektromobilität
• Information und Kooperation
• Neue Strukturen

Gute Infrastruktur fürs Radfahren
„Sichere Infrastruktur ist die Grundvoraussetzung für einen steigenden Anteil an Rad- und Fußgänger-Verkehr im Land. Man geht erst dann zu Fuß oder fährt mit dem Rad, wenn eine Verbindung ohne größere Umwege vorhanden ist und wenn man sie ohne Angst um sich oder die Familie zu haben benutzen kann“, so der Landesrat.

Ein Projekt, das aufgrund seiner Bedeutung bereits in der Strategie-Erarbeitung herausgelöst wurde, ist die Neuaufstellung der Radwegeförderung. Julia Krenn, Expertin aus dem NÖ Landesstraßendienst, hat die Einführung dieser Förderschiene begleitet und zeigte die ersten Erfolge auf: „In den zahlreichen Gesprächen, die wir seit Einführung der neuen Förderung im November 2020 bereits führen durften, wurde das große Interesse an gut ausgebauten Radwegen sehr deutlich. Es blieb in vielen Fällen jedoch nicht nur bei Gesprächen. Etwa 35 Gemeinden reichten insgesamt bereits über 50 Projekte zur Förderung ein, die derzeit in unterschiedlichen Phasen der Förderabwicklung sind. Die ersten Projekte gehen mit Beginn der Bausaison auch bereits in die Umsetzung. Es freut uns sehr, dass wir hier für die Radfahrerinnen und Radfahrer in Niederösterreich etwas bewegen und unser aller Zukunft gestalten können.“

Multimodalität – mit dem Rad zur Bahn
Über 40 Prozent der Pendler in Niederösterreich hat einen Arbeitsweg, der länger als 20 Kilometer ist. „Diese Wege sind natürlich zu lange für den Radverkehr, aber sie eignen sich für die Kombination von Öffi und Rad. Wir wollen daher die Wege zu den Bus- und Bahnhaltestellen für Radfahrer und Fußgänger attraktivieren: Bahnhofsumbauten werden in Zukunft nur noch unterstützt, wenn die Anbindung von Rad- und Fußwegen mitgedacht wurden“, erklärt Landesrat Schleritzko. Gleichzeitig soll die Anzahl von 23.000 Bike&Ride-Plätze bis 2025 auf 30.000 erhöht werden. Alle Bahnhöfe mit mehr als 2.000 Einsteiger pro Tag bekommen zudem Radboxen.

Digitalisierung & E-Mobilität
Alltags-Rad- und -Gehwege sollen zukünftig in allen Routing-Apps umfassender dargestellt werden. Zusätzliche wird es neue Leihangebote für Lastenräder und ein Begleitangebot für E-Mobilität geben.

Information und Kooperation: Eigene Servicestelle für Gemeinden
Um die „Aktive Mobilität“ zu fördern, soll es Partnerschaften mit Betrieben, Schulen und Gemeinden im ganzen Land geben. Zudem wird in den nächsten Monaten eine eigene Service-Stelle für Aktive Mobilität geschaffen werden, die sich insbesondere um das Thema Radfahren kümmern soll. „Wir wollen damit alle Partner, speziell die Gemeinden, besser ansprechen können und eine zentrale Anlaufstelle haben. Derzeit sind die Radfahragenden auf mehrere Organisationen aufgeteilt, was Ressourcen bindet und eine Abstimmung hemmt“, unterstrich Schleritzko.

100 Millionen Investitionen in den nächsten 10 Jahren
All diese Maßnahmen brauchen entsprechende Mittel. Daher hat das Land Niederösterreich für das Jahr 2021 erstmals ein eigenes Radfahrbudget beschlossen. „Diese Landes-Ausgaben wollen wir unter Ausnutzung von allen Bundesförderungen weiter steigern, Fördertöpfe und -abwicklung optimieren und somit die Investitionen vervielfachen. Wir werden mit diesem Weg in den kommenden zehn Jahren Investitionen für die Aktive Mobilität in Niederösterreich in Höhe von rund 100 Millionen Euro auslösen können“, kündigt Landesrat Schleritzko an.

Hohes Potential für Rad- und Fußgängermobilität im Land
Trotz der Charakteristik Niederösterreichs als Flächenbundesland bestehe ein hohes Potential für die Attraktivierung der Rad- und Fußgängermobilität, erläutert Niederösterreichs Landesverkehrsplaner Werner Pracherstorfer: „47 Prozent der täglichen Wege betragen unter 5 km – sind also potentielle Wege für die aktive Mobilität. Bringt man nun auch noch das e-Bike ins Spiel, dann könnten damit in Summe sogar 63 Prozent der Wege aktiv zurückgelegt werden. Laut Pracherstorfer ist die Motivation für den Umstieg groß: 59 Prozent der NiederösterreicherInnen möchten in Zukunft öfters das Rad nützen und 72 Prozent planen, häufiger Wege zu Fuß zurückzulegen.