„Packen wir’s an“: Corona als Herausforderung in der MA 48

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© Houdek Winterdienst-LKW auf der Höhenstraße.

In der Wiener Magistratsabteilung 48 wurden zahlreiche Maßnahmen gesetzt, um den Arbeitsalltag trotz Corona bestmöglich zu organisieren. Die riesige Abteilung mit 3.180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist für die Straßenreinigung, Abfallwirtschaft, Fuhrpark, Fundservice und für den Winterdienst auf Wiens Straßen zuständig. Vor allem beim Winterdienst gab es im Winter 2020/21 zahlreiche Neuerungen.

Für die heurige Wintersaison wurde die Salz- und Soleinfrastruktur auf den Winterdienst-Langerplätzen in der Stadt Wien kräftig ausgebaut: Die Salzlager in den Silos wurden um 700 Tonnen auf nunmehr 11.500 Tonnen, die Solelager in den Tanks um 200.000 Liter auf knapp zwei Millionen Liter aufgestockt.

Verbraucht wurden in dieser Wintersaison vom 1.11.2020 bis inklusive 11.3.2021 insgesamt 68,3 Tonnen Splitt und 7.413,1 Tonnen Salz. „Der Salzverbrauch liegt zwar höher als im letzten, sehr milden Winter, aber trotzdem immer noch unter dem Schnitt der letzten fünf Jahre“, sagt Josef Thon, Abteilungsleiter der MA 48.

Seltenes Eisregenereignis
Eine Besonderheit gab es im Winter 2020/21 wettertechnisch hingegen schon, es kam zu einem stark ausgeprägten gefrierenden Regen, wie er nur etwa alle fünf Jahre vorkommt und für den Winterdienst schwierig zu behandeln ist.

Bis März 2021 musste der städtische Winterdienst an 70 Tagen zum Einsatz ausrücken. Bis auf ein einziges Mal im Dezember 2020, als private Dienstleister zur Unterstützung angefordert wurden, könnte die Winterdienstmannschaft der Stadt – bestehend aus bis zu 1.400 bestens geschulte MitarbeiterInnen und Mitarbeiter mit 313 Räum- und Streufahrzeugen – den Winterdienst alleine bewältigen.

© Fürthner
Die Kleinfahrzuge mit Knicklenkung sind nicht nur im Winterdienst, sondern auch im Sommer als Kehrfahrzeuge unterwegs.

Neue Fahrzeuge im Fuhrpark
Bei den Winterdienst-Fahrzeugen gab es zahlreiche Neuanschaffungen, so wurden fünf neue LKW und 19 Kleinfahrzeuge inklusive Streuer angekauft. Für die Betreuung von Radwegen wurden fünf Kleinfahrzeuge mit Knicklenkung beschafft. Diese sind nicht nur im Winter mit Solestreuer und Pflug im Einsatz, sondern mit dem Kehraufbau auch im Sommer unterwegs.

© Fürthner
Heuer wurden 19 zusätzliche Winterdienst-Kleinfahrzeuge angekauft.

Kunststoffpflug im Test
Die Stadt Wien ist bekannt dafür, dass sie gerne neue Produkte und Technologien testet. In dieser Wintersaison ist probeweise ein komplett aus Kunststoff geformter Pflug zum Einsatz gekommen. Dieser ist flexibel und kann in mehreren Stellungen eingesetzt werden. Auch die Geräuschentwicklung beim Pflügen mit dem Kunststoffpflug wurde untersucht, genaue Ergebnisse sind allerdings noch ausständig.

Sparsamer Streumitteleinsatz
Auch bei den Streumitteln werden weiter Versuche zur Optimierung durchgeführt. In Zusammenarbeit mit der TU Wien werden alternative Streumittel im Praxistest untersucht. Wichtig sind dabei die Ergebnisse zur Tauleistung und Griffigkeit.

Derzeit kommt in Wien die Feuchtsalz-Technologie FS 30 zum Einsatz – Trockensalz und Sole im Verhältnis 70:30 –, die eine Tauwirkung bis zu -15 Grad Celsius gewährleistet. Die Ausbringung von Salz erfolgt gezielter und sparsamer, „das angefeuchtete Streugut haftet auf der Fahrbahn und wird nicht verweht oder zur Seite geschleudert. Die Umweltbelastung wird, bei gleichbleibend guter Wirkung, deutlich reduziert“, erklärt Abteilungsleiter Thon. Zudem führte der Einsatz von Feuchtsalz auch zu einer deutlichen Reduzierung der Feinstaubbelastung für die Wienerinnen und Wiener.
Auch bei den Geräten zur Ausbringung von Feuchtsalz gab es Fortschritte: Durch den Einsatz modernster Streugeräte mit Feuchtsalztechnologie konnte die ausgebrachte Menge im Vergleich zu früheren Geräten deutlich reduziert werden. Zudem bekommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der 48er jährlich eine Schulung in der gezielten und sparsamen Anwendung von Taumitteln.

Katastrophenszenario Pandemie schon vor Corona überlegt
Nachdem die 48er eine riesige Abteilung in der Wiener Stadtverwaltung mit 3.180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist, hat man sich dort schon vor Corona Gedanken zum Thema Umgang mit Pandemien gemacht. Zahlreiche Maßnahmen wurden daher bereits vorab gesetzt, um das Unternehmen möglichst krisensicher zu machen.

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Dipl.-Ing. Josef Thon leitet seit 16. Juni 2004 die Magistratsabteilung 48.

Dennoch hat der Ausbruch der Corona-Pandemie auch die gesamte Magistratsabteilung vor neue Herausforderungen gestellt. „Es gab ein eigenes Corona-Team, das sich eng ausgetauscht hat und der Corona-Beauftragte hat Maßnahmen angeregt und protokolliert. Unter dem Motto ‚Packen wir‘s an!‘ konnten innerhalb sehr kurzer Zeit zahlreiche Maßnahmen gesetzt werden, um den notwendigen laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten. Besonders stolz sind wir, dass wir gerade in der Anfangsphase, wo z. B. ein Mangel an Desinfektionsmitteln herrschte, im 48er eigenen Labor ein Hand-Desinfektionsmittel selbst hergestellt werden konnte“, erzählt Abteilungsleiter Josef Thon.
Zu Beginn täglich, später wöchentlich und derzeit rund zwei Mal pro Monat pro Monat richtet er sich auch mit einem Schreiben an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der 48er. Dieses als „Lage“ titulierte Schreiben des Abteilungsleiters informiert über die jeweils aktuellen Entwicklungen und Maßnahmen aufgrund geänderter Rahmenbedingungen.

© Fürthner
Als das Desinfektionsmittel knapp wurde, stellte die MA 48 in ihren eigenen Labors welches her.

„Durch das Verständnis der KollegInnen und das Bewusstsein, dass unter den Bedingungen einer Pandemie besondere Maßnahmen notwendig sind, konnten die Aufgabenstellungen gut gelöst werden: Versetzte Dienstzeiten, neue Pausenregelungen, Home-Office, Besprechungen via Telekommunikation, etc.“, erklärt Josef Thon, der bereits seit 2004 die MA 48 leitet.

© feelimage/Matern

Die Corona-Pandemie hat natürlich auch in der MA 48 einige Arbeitseinteilungen und -Abläufe geändert, die Situation wirkt sich in unterschiedlicher Ausprägung auf alle Abläufe in den Bereichen der 48er aus. Abteilungsleiter Josef Thon erzählt: „Zur Verhinderung einer Ausbreitung des Virus und einer Clusterbildung waren umfassende Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Besonders kritisch sind dabei Bereiche, wo der Sicherheitsabstand bei der Dienstausübung, beispielsweise im Fahrzeuginneren, nicht eingehalten werden kann. Schlüsselarbeitskräfte und Personen mit besonderen Qualifikationen wie etwa LenkerInnen können nicht leicht ersetzt werden.“

Beim operativen Personal sind Umplanungen etwas leichter möglich. Im Büro-Bereich werden Besprechungen in digitaler Form abgehalten und mobiles Arbeiten wird verstärkt praktiziert. Weiters wurden die Diensteinteilungen entsprechend angepasst.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit direktem Kontakt zu Kundinnen und Kunden sind durch entsprechende Sicherheitsmaßnahmen zu schützen. Hier wurden die Abläufe adaptiert und beispielsweise auch Plexiglasscheiben oder ähnliches montiert.

Im Zentralen Fundservice können Personen – unter Einhaltung der strengen Sicherheitsmaßnahmen (Abstand, Maske) – aktuell nur einzeln vorsprechen. Die Abholung von Fundgegenständen ist nur nach telefonischer Terminvereinbarung möglich.

Die Wiener Mistplätze wurden in ersten Pandemie-Phase für Privatpersonen geschlossen. Später wurden ergänzend zu den bestehenden Sicherheitsmaßnahmen die erlaubte Anzahl der gleichzeitig anwesenden Personen bzw. Fahrzeuge eingeschränkt.

Der Secondhand-Markt 48er-Tandler hat den Ablauf beim Verkauf durch entsprechende Änderungen wie etwa Zugangsregelungen oder einer maximalen Personenanzahl anpassen müssen.

Die angebotenen Besichtigungen der Abfallbehandlungsanlagen der 48er können derzeit nicht durchgeführt werden. Als Alternativmöglichkeit wurden etwa Besichtigungen mittels Video-Live-Stream angeboten. Zusätzlich konnten mit einer Chatfunktion auch Fragen gestellt werden, die direkt beantwortet wurden.

Und auch der Bereich Außenbeziehungen der 48er hat sich in den virtuellen Raum verlagert. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der 48er haben sowohl online an Konferenzen teilgenommen als auch selbst den einen oder anderen Vortrag online gehalten.

„So war und ist jeder Bereich der 48er von der aktuellen Situation individuell betroffen, weil eines ist ganz klar: Das 48er Service für die Wiener und Wienerinnen muss jedenfalls weiterlaufen“, sagt Josef Thon. „Der Müll muss abgeholt werden, die Straßen müssen weiterhin sauber bleiben und der Winterdienst muss wie gewohnt funktionieren. Die 48er hat flexibel und situationsangepasst darauf reagiert.“