Rechtsabbiegen bei Rot startet in Linz

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„In Linz beginnt’s“ – gemäß diesem Sprichwort startet das Pilotprojekt „Rechtsabbiegen bei Rot“ ab dem Jahr 2019 an drei ausgewählten Kreuzungen.

Zuerst aber muss die Straßenverkehrsordnung novelliert werden; das soll noch im Herbst 2018 passieren. Ab dem kommenden Jahr wird es Autofahrern und Radfahrern möglich sein, an drei Kreuzungen in Linz trotz der roten Ampel rechts abzubiegen. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Technischen Universität Wien.

„USA, Kanada, Australien, Frankreich, Thailand, Tschechien, Polen und Teile Deutschlands – all diese Länder haben dieses Modell seit Jahrzehnten in Anwendung und dadurch einen flüssigeren Verkehr an ihren Kreuzungen. Ich denke, dass das auch in Österreich funktionieren kann“, gibt sich Verkehrsminister Norbert Hofer im Rahmen der Projektpräsentation zuversichtlich.

Flüssigerer Verkehr
Testregion ist die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz. „Das tägliche Stau-Chaos auf den Straßen, gepaart mit den negativen gesundheitlichen Folgen durch die erhöhte Feinstaubbelastung, ist der Linzer Bevölkerung ein Dorn im Auge. Uns sind deshalb alle Maßnahmen willkommen, die der Reduktion von Feinstaubemissionen dienen und gleichzeitig den Verkehr möglichst flüssig gestalten bzw. unnötige Steh- und Stauzeiten vermeiden“, erklärt der Linzer Infrastrukturstadtrat Markus Hein. Ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für Fußgänger sehe er nicht, denn „jedes einzelne Fahrzeug muss trotzdem an der Haltelinie anhalten und sich vergewissern, dass andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert oder gefährdet werden“, so Hein. Abgesehen davon wurden die drei Kreuzungen anhand eines Kriterienkatalogs mit Ausschluss- und Abwägungskriterien sorgfältig ausgewählt und auf die entsprechende Tauglichkeit untersucht.

Wissenschaftliche Untersuchung durch TU Wien
Das Institut für Verkehrswissenschaften der Technischen Universität Wien wurde mit der wissenschaftlichen Begleitung des Pilotversuchs „Rechtsabbiegen bei Rot“ beauftragt. Basierend auf Erfahrungen aus Deutschland, wo das Abbiegen an der roten Ampel bereits seit längerem in Verwendung ist und entsprechende Erfahrungen und Studien zu Einsatzkriterien und Auswirkungen vorliegen, wurde für die Anwendung in Österreich ein Kriterienkatalog erarbeitet. Dieser dient zur Auswahl der Pilotkreuzungen und ist gegliedert in Ausschlusskriterien und Abwägungskriterien.

„Im Rahmen von Pilotversuchen wird ‚Rechtsabbiegen bei Rot‘ in einer ersten Phase bei drei Kreuzungen in der Stadt Linz untersucht. An jedem Standort erfolgen eine Vorher- und eine Nachher-Erhebung an unterschiedlichen Wochentagen und Tageszeiten. Ergänzend zur Videoerhebung wird eine Reisezeitmessung durchgeführt, um mögliche Auswirkungen im Straßennetz zu berücksichtigen. Dazu werden Nutzungshäufigkeit, Anhalte-Bereitschaft, Ausweichverhalten sowie potenzielle Konfliktsituationen zwischen den Verkehrsteilnehmenden analysiert und ausgewertet. Besonderes Augenmerk liegt auf den Aspekten der Verkehrssicherheit“, erklärt DI Dr.techn. Harald Frey vom Institut für Verkehrswissenschaften an der TU Wien.

Die drei Kreuzungen, an denen getestet wird, liegen im Stadtgebiet von Linz und zwar im Kaplanhofviertel an der Weißenwolffstraße/Garnisonstraße /Derfflingerstraße /Nietzschestraße, im Stadtteil Ebelsberg an der Kreuzung Wiener Straße/Ennsfeldstraße sowie im Stadtteil St. Magdalena an der Kreuzung Dornacher Straße/Johann-Wolhelm-Klein-Straße.

Quelle: Stadt Linz
Foto: BMVIT