Schwadorf investiert in Katastrophenschutz

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Von links: VizeBgm. Gustav Weber, Bgm. Jürgen Maschl, Bauhofleiter und Zivilschutzbeuaftragter Wolfgang Janosi, GR Tanja Paradeiser (Obfrau des Zivilschutz- und Katastrophenausschuss im Gemeinderat) mit den neuen Notstromaggregaten. © Marktgemeinde Schwadorf

Am 8. Jänner 2021 ist ganz Europa laut Informationen von Wien Energie knapp einem Blackout – also einem großflächigen Stromausfall, der in Folge auch die öffentliche Infrastruktur zum Erliegen bringt – entkommen. In der Marktgemeinde Schwadorf wäre man auf ein solches Katastrophenszenario vorbereitet gewesen, denn hier wurde in den letzten Monaten massiv „aufgerüstet“ – die Gemeinde kaufte Notstromaggregate, Feldbetten und sogar eine Feldküche an, um die Bürgerinnen und Bürger im Katastrophenfall versorgen zu können.

Der Ausbruch der Corona-Pandemie war für Schwadorf Anlass, über sein Katastrophenmanagement nachzudenken. „COVID 19 hat uns gezeigt, wie wichtig es für eine Gemeinde ist, einen Katastrophenschutzplan zu haben. Beim ersten Lockdown hatten wir nicht einmal Masken vorrätig. Wir möchten einfach nicht mehr in die Situation kommen, dass etwas passiert und wir sind nicht vorbereitet. Schließlich sind die Gefahren eines Blackouts oder eines Erdbebens real“, so Bürgermeister Jürgen Maschl.

Ein Erdbeben, bei dem auch Häuser kaputt gehen kommt zwar sehr selten vor, möglich ist es aber doch, meint Maschl: „Im Jahr 1927 gab es das bisher größte Erdbeben Österreichs mit dem Epizentrum Schwadorf. So ein großes Erdbeben kommt statistisch gesehen nur alle 100 Jahre vor, aber das ist mit Pandemien auch nicht anders. Also möchten wir uns auch darauf vorbereiten, zumal Schwadorf direkt an der Thermenlinie liegt“, so der Bürgermeister.

Vom NÖ Zivilschutzverband heißt es dazu: „Gemeinden müssen für Katastrophenfälle vorbereitet sein. Die Art und Wahrscheinlichkeit möglicher Ereignisse variiert natürlich von Gemeinde zu Gemeinde. Jede Gemeinde in Niederösterreich ist verpflichtet, einen Katastrophenschutzplan zu erstellen. Darin werden mögliche Gefahrenquellen und Katastrophenszenarien festgehalten. Das kann in einer Gemeinde beispielsweise ein Unfall mit einem Gefahrguttransporter in einem Autobahntunnel sein, in einer anderen Überflutung nach einem Dammbruch, in einer dritten Schadstoffaustritt aus einem Chemiewerk und anderes mehr.“ In Schwadorf zählt die Erdbebengefahr ebenfalls dazu.

Arbeitsgruppe mit allen Steakholdern gegründet
Aus all diesen Überlegungen heraus wurde in der Marktgemeinde Schwadorf eine Arbeitsgruppe bestehend aus der Freiwilligen Feuerwehr, den First-Respondern, dem Zivilschutzbeauftragten sowie dem Zivilschutz und Katastrophenausschuss des Gemeinderats gegründet, um auszuloten, welche Szenarien möglich sind, wie die Gemeinde darauf vorbereitet ist und was es noch zu verbessern gilt.
„Ziel ist es, unabhängig von regionalen und überregionalen Einsatzorganisationen unsere Bevölkerung über einen Zeitraum von mehreren Tagen mit dem Notwendigsten zu versorgen aber auch unsere wichtigsten Dienstleistungen der Daseinsvorsorge wie Schmutzwasserentsorgung und sichere Unterbringung zu gewährleisten und den Gemeindebetrieb aufrechterhalten zu können“, erklärt Maschl die Zielvorgaben.

„Das Wichtigste im Katastrophenfall ist die Vorbereitung. Wenn ich weiß, was passieren kann und wo etwas passieren kann, dann kann ich gezielt Vorkehrungen treffen. Eine reibungslose Zusammenarbeit der Gemeindeorgane mit etwa der Feuerwehr, Wasserrettung, aber auch den Bezirksbehörden vermeidet oft Folgeschäden. Und wenn die Bevölkerung informiert und in die Katastrophenplanung eingebunden ist, verlieren viele Bedrohungen ihren Schrecken“, erklärt LAbg. Bgm. Christoph Kainz, Präsident des Niederösterreichischen Zivilschutzverbandes.

LABg. Bgm. Christoph Kainz
(c) NÖ Zivilschutzverband

Notstromaggregate für ein Blackout angekauft
Ein Stromausfall über längere Zeit hinweg kann dramatische Folgen für die öffentliche Infrastruktur haben. Bürgermeister Maschl nennt als Beispiel die Kanalisation in seiner Gemeinde: „Das Schmutzwasser läuft im freien Gerinne zur Kläranlage. Doch in unserem Leitungssystem sind vier Pumpwerke aufgrund der unterschiedlichen Geländehöhe für das ordnungsgemäße Ableiten nötig, die mit Strom betrieben werden. Sollte es nun zu einem Stromausfall kommen, wären diese außer Betrieb und das Kanalsystem in wenigen Stunden völlig verstopft und überlastet. Die Folge: Viele Häuser würden überflutet und stark verunreinigt. Um in einem derartigen Fall die Pumpwerke am Laufen zu halten, fehlten bislang die erforderlichen Notstromaggregate. Daher wurde nicht lange überlegt und für jedes Pumpwerk ein eigenes Aggregat angekauft.“

Auch was die Versorgung der gemeindeeigenen Gebäude angeht, war bislang für keine ausreichende Notstromversorgung vorgesorgt. Zwar verfügte die Gemeinde über ein einziges Notstromaggregat, allerdings war dieses gleich für mehrere Zwecke vorgesehen. Im Katastrophenfall ist das ein Problem, da ja nicht nur das Kanalsystem mit Strom versorgt werden muss, sondern auch das Gemeindeamt und der Wirtschaftshof. Wenn die Gemeinde im Ernstfall ein Feldlager einrichten muss, braucht es auch hier Strom. Daher wurden sieben zusätzliche Notstromaggregate angekauft, damit verfügt die Marktgemeinde Schwadorf nunmehr über insgesamt acht Geräte. Das bisher im Einsatz befindliche Aggregat wurde der Feuerwehr zugeteilt und dort auch gelagert. Damit sind im Katastrophenfall die wichtigsten Gemeindeeinrichtungen einsatzbereit.

Die Notstromaggregate werden mit Diesel angetrieben. Im Fall eines Blackouts wird allerdings das Tanken auf der Tankstelle auch nicht funktionieren. Um eine Woche den Betrieb der Notstromaggregate und der Einsatzfahrzeuge wie der Feuerwehr aufrecht erhalten zu können, braucht es laut Berechnungen der Gemeinde rund 15.000 Liter Diesel. Um hier auch eigene Vorräte zu haben und auch die Gemeindefahrzeuge einsatzbereit halten zu können, hat die Gemeinde beschlossen, für den Wirtschaftshof einen 20.000 Liter fassenden Dieseltank mit eigener Haustankstelle, die im Notfall auch ohne Strom mit Handpumpe funktioniert, anzukaufen.

Erdbebenvorsorge
Sollte tatsächlich ein starkes Erdbeben Schäden an Gebäuden und der Infrastruktur anrichten oder ein Großbrand ausbrechen, hat die Gemeinde ebenfalls Maßnahmen ergriffen, erklärt Bürgermeister Maschl: „Wir verfügen zwar über zwei Turnhallen, jedoch über keine Schlafgelegenheiten. Um auch hier für unsere Bevölkerung annehmbare Lösungen zu haben, wurden insgesamt 200 Feldbetten angekauft. Diese dienen natürlich auch für die Unterbringung von Schlüsselkräften, sofern diese zusammengezogen werden müssen“, so Maschl. Zur Beheizung der Hallen hat die Gemeinde noch zwei Heizkanonen angeschafft, die ebenfalls mit Diesel betrieben sind.

© Marktgemeinde Schwadorf

Feldküche für den Notfall
Eine weitere Anschaffung hat ebenfalls mit der Versorgung der Bevölkerung zu tun. Sollte es für die Bürgerinnen und Bürger über längere Zeit keine Gelegenheit geben, sich selbst warme Speisen oder gar nur einen heißen Tee zubereiten zu können, so hat die Marktgemeinde eine gebrauchte Feldküche angekauft. Mit dieser ist es möglich, auf einen Schlag rund 600 Personen mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen. Die Feldküche stammt aus dem Bestand der Deutschen Bundeswehr und wurde von der Firma Kärcher generalüberholt. „Gekostet hat die Küche 39.000 Euro, neu würde sie rund 120.000 Euro kosten. Es ist auch geplant, dass sich Vereine diese Küche für ihre Veranstaltungen ausleihen können. Einerseits, damit die Küche nicht nur herumsteht und andererseits auch, dass es mehrere Bürger gibt, die sich mit dieser Küche auskennen und diese im Notfall auch bedienen können“, so Bürgermeister Jürgen Maschl. Die Anschaffung dieser Feldküche wurde auch mit dem NÖ Zivilschutz abgestimmt, der eine derartige Einrichtung ebenfalls befürwortet.

Neben diesen großen Anschaffungen wurden auch spezielle Funkgeräte zur Einsatzleiterkommunikation, die dazu ein eigenes Funknetz nützen, angeschafft. Der Ankauf der Funkgeräte, ebenso wie der Feldbetten, wurde im Gemeinderat eistimmig beschlossen. Für den Ankauf der Notstromaggregate gab es eine, und für den Ankauf der Dieseltanks und der Gulaschkanone jeweils sechs Gegenstimmen im 20-köpfigen Gemeinderat der Marktgemeinde Schwadorf.

Bürgermeister Jürgen Maschl: „Mit diesen Investitionen haben wir in Schwadorf den Zivil- und Katastrophenschutz erheblich verbessert und zu einem der besten in der Umgebung gemacht. Dafür hat die Gemeinde Investitionen in der Gesamthöhe von rund 200.000 Euro getätigt. Diese sind jedoch ausschließlich für die Sicherheit und Versorgung unserer Bevölkerung gedacht und verstehen sich als langfristige Investition in unsere Infrastruktur.“

Auch wenn der Zivilschutz Ländersache ist, sind die Grundsätze in allen Bundesländern gleich. Der Präsident des NÖ Zivilschutzverbandes, LAbg. Bgm. Christoph Kainz rät daher allen Gemeinden, die sich intensiv mit dem Thema auseinadersetzen wollen: „Die Zivilschutzverbände sind die perfekten Ansprechpartner und gerne für die Kommunen und die BürgerInnen im Einsatz!“

Zivilschutz 
Ansprechpartner für alle Fragen des Krisen- und Katastrophenmanagements sind in allen Bundesländern
• die vorgesetzte Behörde,
• die Blaulichtorganisationen
• und der jeweilige Zivilschutzverband des Bundeslandes.
In Niederösterreich bietet der NÖZSV umfangreiche Unterstützung für die Gemeinden.

Für die Erstellung eines Katastrophenschutzplans werden generelle Gefahren (z.B.: Sturm) und die neuralgischen Punkte festgehalten. Zusätzlich müssen die einzelnen Stabstellen und Personen definiert werden, die im Ernstfall die Krisenbewältigung koordinieren. Der NÖZSV berät und unterstützt die Gemeinden auch bei der Erstellung dieses Planes.

Damit im Ernstfall das Katastrophenschutzmanagement der Gemeinden auch funktioniert, bietet der NÖ Zivilschutzverband auch Stabsschulungen an. Dazu werden normalerweise direkt vor Ort – derzeit leider nur online – Stabsübungen abgehalten. Es werden dabei einige mögliche Katastrophenszenarien vorgegeben, die in Echtzeit durchgespielt und bewältigt werden müssen. Die Trainer des NÖZSV erarbeiten dabei die Übungsszenarien, beobachten und geben Feedback und Verbesserungsvorschläge.
Nähere Informationen: http://www.noezsv.at/