SORA-Städtebarometer

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Jedes Jahr vor dem Städtetag erhebt das Institut SORA das Lebensgefühl in Österreichs Städten. Der Schwerpunkt der heurigen Umfrage lag auf dem Thema Pflege, das auch beim Städtetag intensiv diskutiert wurde.

Nachdem die Präsentation der Studie heuer vor dem Städtetag stattfand, war Michael Häupl zwar nicht mehr Wiener Bürgermeister, aber noch Präsident des Österreichischen Städtebundes. Und in dieser Funktion lud er gemeinsam mit Günther Ogris von SORA und Generalsekretär Thomas Weninger zur Präsentation des Städtebarometers ein.

88 Prozent der 1057 befragten BürgerInnen in Österreichs Städten schätzten die Lebensqualität in ihrer Gemeinde als sehr oder ziemlich hoch ein – dieser Wert ist seit dem Jahr 2009 ziemlich stabil. Auch mit der eigenen Lebenssituation sind 81 Prozent zufrieden. 8 von 10 empfinden die eigene Gemeinde als sauber und umweltfreundlich.

Keine Privatisierung von kommunalen Dienstleistungen
Österreichs StadbewohnerInnen sind mit den kommunalen Dienstleistungen zufrieden – ganz besonders große Zufriedenheit herrscht mit der Trinkwasserversorgung (97%), der Müllentsorgung (95%) und mit der Abwasserentsorgung (94%).
Weiters sind 85% mit der Nahversorgung im Wohngebiet und 79% mit den Gesundheitseinrichtungen zufrieden. Rund die Hälfte der Befragten ist mit den Leistungen der Grundversorgung sowie der Nahversorgung im Wohngebiet sogar „sehr“ zufrieden.

„Die hohe Zufriedenheit und das Vertrauen in die Leistungen der Städte und Gemeinden ist Auftrag an die politische Ebene, die Leistungen auf hohem Niveau zu erhalten und auch in stark wachsenden Städten für alle Bevölkerungsgruppen verfügbar zu machen. Sie sind das Kernstück unseres Sozialstaats“, sagte Michael Häupl.

Mindestens drei Viertel der befragten BürgerInnen österreichischer Städte und Gemeinden meinen, dass kommunale Dienstleistungen nicht an private Anbieter ausgelagert werden sollen. Besonders stark ist dieser Wunsch bei der Trinkwasserversorgung: 94% ist es wichtig, dass diese in öffentlicher Hand bleibt – für 83% der Befragten ist das sogar „sehr“ wichtig.
In Bezug auf Abwasser- und Müllentsorgung, Gesundheitseinrichtungen sowie Aspekte des Verkehrs (Infrastruktur und öffentlicher Nahverkehr) sprechen sich jeweils mindestens 85% für einen Verbleib in öffentlicher Hand aus. Auch Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Senioren- und Pflegeeinrichtungen sollen in öffentlicher Hand bleiben, dafür sprechen sich jeweils rund 80% der Befragten aus.

Mehr Treffpunkte für Jugendliche
Generell herrscht eine sehr hohe und konstante Zufriedenheit mit den Erholungs- und Freizeitangeboten in den städtischen Gemeinden. Besonders mit den Grünflächen und Naherholungsgebieten sind fast alle (sehr) zufrieden (90%), aber auch mit den Einkaufsmöglichkeiten, dem kulturellen Angebot und den Sportmöglichkeiten ist für einen Großteil der Bevölkerung (sehr) zufriedenstellend (mind. 80%). Die Treffpunkte für Jugendlichen werden im Zeitverlauf immer besser bewertet: 2009 waren nur 41% damit zufrieden, mittlerweile sind es 66%.

Schwerpunktthema Pflege
16 Prozent der Befragten des SORA-Städtebarometers geben an, einen Pflegefall in der Familie zu haben, drei Prozent nehmen selbst Pflege in Anspruch. Am meisten in Anspruch genommen werden Unterstützungsleistungen vonseiten der Familie bzw. Angehörigen (59 Prozent) und mobile Pflegeleistungen (51 Prozent).
Bei rund jedem zehnten Pflegefall bedarf es einer 24h Betreuung. In ländlichen Gebieten (77%) erhalten Pflegebedürftige deutlich häufiger informelle Unterstützung als in städtischen Gebieten (52%). Ebenso benötigen die Betroffenen auch mehrere Finanzierungsquellen, um die notwendigen Pflegeleistungen bezahlen zu können. Für mehr als ein Drittel reichen Pflegegeld und Pension nicht aus, sie greifen zusätzlich auf ihr privates Vermögen und oder finanzielle Unterstützung aus der Familie zurück.

Mehr als ein Zehntel (12%) der Befragten unterstützt unbezahlt Angehörige. Zu den pflegenden Angehörigen zählen verstärkt Personen, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen bzw. vorwiegend zu Hause sind. Unbezahlte Pflegeleistungen werden ebenfalls vermehrt in ländlichen Regionen und von Frauen verrichtet. Am häufigsten werden (Schwieger-)Eltern (38%) und Großeltern (18%) durch Angehörige gepflegt.

69% für eine staatliche Pflegeversicherung
Insgesamt wird die Qualität der vorhandenen Pflegedienstleistungen als besonders hoch bewertet, allerdings sind nur 46 Prozent der Meinung, dass es derzeit genügend Angebote für Pflegebedürftige gibt. Die Mehrheit (77 Prozent) meint, dass „ohne ausländische Pflegekräfte die Pflege in Österreich zusammenbrechen“ würde. Große Unsicherheit gibt es in Hinblick auf die eigene Versorgung im Fall der Fälle: 46 Prozent fühlen sich im Pflegefall gut, 46 Prozent schlecht abgesichert. Besonders Jüngere bis 29 Jahre machen sich hier Sorgen. Für mehr als ein Drittel reichen Pflegegeld oder Pension nicht aus, sie greifen zusätzlich auf ihr privates Vermögen und/oder finanzielle Unterstützung aus der Familie zurück. Die Mehrheit (69 Prozent) spricht sich für eine staatliche Pflegeversicherung aus.

 

Foto: EuroKommunal/Sinhuber
Quelle: Redaktion, Österreichischer Städtebund