Von der Turbine ins Glas – Energie aus Trinkwasserkraftwerken

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Trinkwasser soll von den Gemeinden mit Unterstützung des Landes Tirol verstärkt als Energiequelle genutzt werden. Bevor das Wasser aus dem Wasserhahn rinnt, geht es beispielsweise in Aschau im Zillertal über eine Turbine und erzeugt Energie. © Wasser Tirol

Die Energie des Trinkwassers verstärkt nutzen und einen weiteren Schritt in die Energieautonomie 2050 machen – das will das Land Tirol mit der seit einem Jahr bestehenden und nunmehr bis Ende 2022 verlängerten Beratungsförderung für Trinkwasserkraftwerke.

„Unser Trinkwasser stammt überwiegend aus Quellen, die im Gebirge gefasst werden und über viele Höhenmeter ins Tal abgeleitet werden. Dieses bislang oft ungenutzte Energiepotenzial wollen wir in Form von kommunalen Trinkwasserkraftwerken vermehrt nutzen“, erklärt LHStv Josef Geisler. Da die Wasserversorgung im Aufgabenbereich der Gemeinden liegt, hat das Land Tirol vor einem Jahr eine Förderung ins Leben gerufen, um sie über die Möglichkeiten eines Einbaus eines Trinkwasserkraftwerks in ihre Wasserversorgungsanlage zu beraten.

70 Trinkwasserkraftwerke liefern derzeit Energie
Das Interesse der Gemeinden ist groß. 30 Gemeinden haben sich für ein Beratungsgespräch angemeldet oder dieses schon absolviert. „Für sieben Anlagen liegen bereits Kraftwerksoptionen mit einer Jahresstromerzeugung von bis zu 965.000 Kilowattstunden vor. Das entspricht einem jährlichen Strombedarf von bis zu 275 Haushalten je Kraftwerk“, freut sich Geisler und hofft, dass die betreffenden Gemeinden die Projekte in Angriff nehmen, denn „jeder Beitrag, der die Eigenversorgung mit Energie stärkt und uns dem Ziel der Energieautonomie 2050 näherbringt, ist wichtig“. 70 Trinkwasserkraftwerke sind in Tirol bereits in Betrieb. Die ältesten – wie etwa jenes in Innsbruck/Mühlau – liefern bereits seit rund 100 Jahren Energie.

Workshops für Gemeinden
„Die Gemeinden sind unverzichtbare Partner auf dem Weg Tirols in die Energieunabhängigkeit. Trinkwasserkraftwerke sind eine von mehreren Möglichkeiten, um auf kommunaler Ebene die Energieversorgung und die Energieautonomie zu stärken“, sieht LHStv Josef Geisler zahlreiche Handlungsmöglichkeiten. Das Land Tirol unterstützt die Gemeinden auf diesem Weg. Die Beratungsförderung des Landes ist zweistufig. In einem Erstgespräch erfolgt die Vorbeurteilung, ob ein grundsätzliches Potenzial zur Energiegewinnung in der Wasserversorgung vorhanden ist. Dieses Erstgespräch ist kostenfrei. In der zweiten Stufe werden bei einer Begehung Umsetzungsmöglichkeiten sowie Kosten und Erlöse eingeschätzt. Hierfür wird ein Selbstbehalt von 650 Euro eingehoben. Durchgeführt wird die Beratungsförderung von der landeseigenen Wasser Tirol.

Welche Potenziale im Trinkwasser schlummern und was bei der Realisierung eines Trinkwasserkraftwerks rechtlich und wirtschaftlich zu beachten ist, ist auch Thema bei zwei Workshops für Tiroler GemeindevertreterInnen am 20. April in Obsteig und am 27. April in Stans.