Wels baut Begegnungszonen aus

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In der Stadt Wels gibt es bereits zwei Begegnungszonen. Weil diese in der Stadt so gut funktionieren, sollen jetzt noch zwei weitere hinzukommen.

„Begegnungszonen bringen Verkehrsberuhigung in die Innenstadt und damit mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität“, sagt Bürgermeister Andreas Rabl.

Verkehrsplanerisch ist die Begegnungszone eine besondere Art der Verkehrsberuhigung, die den Straßenfreiraum für alle Verkehrsarten zur geteilten Nutzung freigibt. Derzeit bestehen zwei Begegnungszonen in der Welser Innenstadt; in der Pfarrgasse Süd zwischen Ringstraße und Stadtplatz, sowie am Kaiser-Josef-Platz. Darüber hinaus ist die gesamte Welser Innenstadt innerhalb des ehemaligen Einbahnrings als 30 km/h-Zone verkehrsberuhigt.

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit den Begegnungszonen in der Stadt sollen in der Welser Innenstadt zwei weitere entstehen: In der Rainerstraße zwischen Kaiser-Josef-Platz und Rablstraße sowie in der Pfarrgasse Nord.

Die Rainerstraße eignet sich als Begegnungszone besonders gut, denn mit der Fertigstellung des neuen Amtsgebäudes und der Sanierung des Stadttheaters sowie des neuen Gebäudes für das Arbeitsmarktservice bekommen noch heuer wichtige Institutionen einen neuen Sitz in der Rainerstraße.

Eigenschaften einer Begegnungszone
Eine Begegnungszone ist der gesamte Bereich zwischen den Hausfassaden, in der keine Verkehrsart die andere behindern darf. Parken und Laden sind nur an markierten Bereichen erlaubt. Aufbauend auf dem Mobilitätskonzept „Shared Space“ sieht der Gesetzgeber in der Begegnungszone „eine Straße, deren Fahrbahn für die gemeinsame Nutzung durch Fahrzeuge und Fußgänger bestimmt ist, und die als solche gekennzeichnet ist“. (STVO §§ 2 Abs. 1 Z 2a).

Bei einer Begegnungszone stehen ein Teilen der Straße und ein „Miteinander“ im Vordergrund: Lenker von Kraftfahrzeugen dürfen Fußgänger oder Radfahrer weder gefährden noch behindern. Fußgänger dürfen die gesamte Fahrbahn benützen, sie dürfen den Fahrzeugverkehr jedoch nicht mutwillig behindern. Auf der Straße mit all ihren Bewegungsflächen soll der Fußgänger- und Fahrzeugverkehr als gleichberechtigter Mischverkehr gemeinsam geführt werden. Ein geringes LKW-Aufkommen ist von Vorteil für die Nutzung als Begegnungszone.

„Wir müssen anfangen, jede Art von Mobilität in unseren Überlegungen gleichwertig einzubeziehen. Mit dem Werkzeug der Begegnungszone gelingt uns nicht nur das, sondern auch eine gleichzeitige Rückgewinnung der Straße als Freiraum“, meint Verkehrsstadtrat Klaus Hoflehner.

Kriterien für das Funktionieren einer Begegnungszone
Eine Begegnungszone funktioniert, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind:
Verstärkte Fußgängerquerungen (Erdgeschossnutzungen mit Kundenverkehr) und Straßenabschnitte mit einem Verkehrsbezug zu öffentlichen Einrichtungen.
Zentrale städtebauliche Einheit, zentraler Platz beziehungsweise dichte Bebauung mit hohen Arbeitsplatzzahlen.
Begrenzte Größe beziehungsweise Länge der Begegnungszone, damit die Beschränkungsstrecken für den Kraftfahrer überschaubar bleiben und dementsprechend eine Akzeptanz erreichbar ist. Als Ideal gelten Längen zwischen 100 und 500 Metern. Die durchschnittliche Länge von Begegnungszonen liegen bei rund 220 Metern.
In jedem Bereich der Begegnungszone sollte gleichartige Merkmale hinsichtlich Straßenraumgliederung und Randbebauung vorliegen, damit die Begegnungszone für den Kraftfahrer erfassbar bleibt.
Großer Parkdruck (Parkraumnot) und der Bedarf an Parkplätzen können kontraproduktiv sein, denn für eine funktionsgerechte und sichere Nutzung von Begegnungszonen ist Übersicht für alle Verkehrsteilnehmer die Grundvoraussetzung. Eine zu dichte Anordnung von Parkplätzen fördert dagegen Unübersichtlichkeit. Ein Angebot an Stellplätzen – zum Beispiel an Hoch- und Tiefgaragen – ist positiv.