Winterdienst in der Großstadt

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Dr. Peter Nutz von der MA 48

EuroKommunal sich bei Dr. Peter Nutz, Leiter des Referats Planung und Winterdienst in der Wiener MA 48, erkundigt, wie der Winterdienst in Wien funktioniert.

EuKo: Seit wann führt die Stadt Wien Winterdienst durch? Wie gestalteten sich die Anfänge des Winterdienstes in der Stadt?

Nutz: In erster Linie wurde in der Stadt Wien der Schnee händisch weggeschaufelt. Zu Spitzenzeiten wurden – zusätzlich zum ständigen Personal – bis zu 9.000 Schneearbeiter aufgenommen. Im Jahr 1928 waren bei Schneefall 236 Schneepflüge mit Pferdebespannung unterwegs und zusätzlich schon 14 automobile Räumfahrzeuge.

EuKo: Wurde damals nur geräumt oder auch gestreut?

Nutz: Bei Nebelwetter und Glatteisbildung wurden in der Stadt Wien die Asphalt- und Holzstöckelpflasterstraßen mit Sand bestreut. Zunächst erfolgte das per Hand, später wurden dazu Maschinen angekauft. Am Fahrgestell befand sich ein Streutrichter, aus dessen unteren Öffnung der Sand auf einen rotierenden Teller und davon weiter auf die Straße gelangte.

EuKo: Welches Mischverhältnis Trockensalz zu Sole kommt heute in der Stadt zum Einsatz?

Nutz: Alle Geräte der MA 48 und der privaten Fuhrwerker sind mindestens mit Feuchtsalztechnik FS 30 ausgestattet. Seit einigen Jahren werden alle neuen Geräte auf höheren Soleanteil ausgelegt. Dabei kommen neben FS 30 auch FS 50 sowie reine Sole zum Einsatz.

EuKo: Unter welchen Bedingungen wird reine Solestreuung angewandt?

Nutz: Radwege werden von Kleintraktoren betreut, welche ausschließlich reine Sole einsetzen. Bei kombinierten Geräten mit Solesprühbalken wird reine Sole in bestimmten Wettersituationen eingesetzt. Bei präventiver Streuung sowie Reifbildung und leichten Schneefällen wird ebenfalls reine Sole eingesetzt. Bei Temperaturen unter -4°C wird Feuchtsalz bzw. eine kombinierte Streuung eingesetzt.

EuKo: Konnten seit der Einführung des differenzierten Winterdienstes mit variablen Mischverhältnissen von Trockensalz und Sole Einsparungen beim Salzverbrauch erzielt werden?

Nutz: Reine Sole wird insbesondere für präventive Streufahrten sowie bei Reifglätte oder Temperaturen um den Gefrierpunkt und leichtem Schneefall eingesetzt. Unter idealen Bedingungen lassen sich damit bis zu 50 Prozent Streumittel einsparen. Bei durchschnittlichen Wintern mit Schneefällen und tieferen Temperaturen sind Einsparungen geringer.

EuKo: Gibt es Neuerungen im Winterdienst 2018/19?

Nutz: Im Rahmen der laufenden Fuhrparkaktualisierung werden für die Saison 2018/2019 zehn neue Streufahrzeuge mit kombinierter Streutechnologie angeschafft. Diese können sowohl Feuchtsalz FS30, FS50, FS70 sowie reine Sole über einen Sprühbalken streuen.

EuKo: Danke, dass Sie sich Zeit genommen haben! 

Volleinsatz bei Schneefall
In der Stadt Wien sind bei einem Volleinsatz bis zu 322 Fahrzeuge im Einsatz, davon 70 Großraumstreuer auf LKW und 154 Kleinfahrzeuge. Bei sehr starken Schneefällen rücken zusätzlich private Frächter mit weiteren 98 Fahrzeugen aus. Auch das Personal kann sich sehen lassen: Wenn es stark schneit, sind bis zu 1.400 Personen auf den Beinen, um die Straßen befahrbar zu halten.

Bilder: MA 48,